Fronten verhärtet

Pflegerin zeigt Missstände – Betriebsrat widerspricht

Eine ehemalige Pflegerin aus dem PBZ Korneuburg wurde nach ihrer Kritik am System gekündigt. Nun setzt sich auch der Betriebsrat öffentlich zur Wehr.
10.04.2026, 16:56
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Im Pflege- und Betreuungszentrum Korneuburg kochen die Emotionen hoch: Eine Pflegerin schlug in "Heute" wegen Überlastung und Personalmangel Alarm – kurz darauf verlor sie ihren Job. Jetzt kämpft sie vor Gericht.

"Zwölf Stunden allein gelassen"

Die Pflegekraft wandte sich Anfang Februar an die Heimleitung – mit schweren Vorwürfen. Bewohner würden teilweise über zwölf Stunden sich selbst überlassen sein, da lediglich eine Fachkraft für bis zu zwölf Personen gleichzeitig zuständig gewesen sei.

"Ich musste täglich entscheiden: Wer wird gewaschen, wer bleibt im Bett? Wer bekommt Zuwendung – und wer nicht?", schildert sie. Besonders erschütternd sei ein Moment gewesen, als eine Bewohnerin sagte: "Ich habe solche Angst, aber ich sehe, dass ihr keine Zeit habt."

Fristlose Kündigung nach Kritik

Nach internen Gesprächen folgte Ende Februar die fristlose Entlassung. Die Pflegerin wehrt sich nun dagegen, der Fall liegt bei der Arbeiterkammer. Ein Gerichtstermin ist für den 9. Juni angesetzt. "Ich kämpfe nicht nur um meinen Job, sondern gegen ein System, das Menschenwürde gefährdet", so die Betroffene.

Weitere Stimmen bestätigen Kritik

Sie ist mit den schweren Vorwürfen nicht allein: Eine weitere Pflegekraft berichtet gegenüber "Heute" von extremen Zuständen. "So arg wie in Korneuburg war’s noch nirgends", heißt es.

Auch SPÖ-NÖ-Chef Sven Hergovich schlägt Alarm: Wer Missstände aufzeigt und dafür gekündigt wird, schaffe ein Klima der Angst. Er fordert mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und Schutz für Whistleblower.

Heimleitung weist alles zurück

Die Leitung des Pflegezentrums stellt sich jedoch klar gegen die Vorwürfe. Diese seien "unwahr und nicht nachvollziehbar". Auch der Betriebsrat widerspricht in einem offenen Brief an die Medien deutlich: Bewohner seien weder gefährdet noch sich selbst überlassen. Die Arbeit sei zwar fordernd, werde aber mit viel Engagement und Herzblut erledigt.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gab es laut ihm eine unangekündigte Kontrolle durch das Land Niederösterreich. Ergebnis: Keine Hinweise auf Überlastung oder Gefährdung. Auch die Patientenanwaltschaft konnte die Beschwerden nicht bestätigen.

Fronten weiter verhärtet

Damit stehen sich nach wie vor zwei Seiten unversöhnlich gegenüber: Eine Pflegerin, die von untragbaren Zuständen berichtet – und ein Heim, das die Vorwürfe strikt zurückweist. Der Fall landet nun vor Gericht – und könnte weitreichende Folgen für die Pflege-Debatte haben.

{title && {title} } zdz,wes, {title && {title} } 10.04.2026, 16:56
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen