Im Pflege- und Betreuungszentrum in Korneuburg herrscht Aufregung. "Heute" berichtete bereits über jene Pflegerin, die Missstände im Heim ortete, diese dokumentierte – und sich damit auch an die Öffentlichkeit wandte.
Zwei Seiten prallen hier aufeinander: Eine Pflegefachkraft, die von Überbelastung, Zeitnot und Personalkrise spricht. Auf der anderen Seite die Leitung des PBZ Korneuburg, die die Vorwürfe als nicht nachvollziehbar scharf zurückweist.
Anfang Februar wandte sich Lisa F. an die Dienstleitung des Pflegeheims Korneuburg: "Bewohner werden über zwölf Stunden sich selbst überlassen, weil eine Fachkraft für bis zu zwölf Personen gleichzeitig verantwortlich ist", kritisierte die Frau, die ihren Fall jetzt auch im Zuge eines Pressegesprächs mit der SPÖ Niederösterreich schilderte.
Die Bedingungen im PBZ seien schwierig gewesen: "Ich wurde täglich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die fachlich und ethisch nicht vertretbar sind – wer wird gewaschen, wer bleibt im Bett, wer bekommt Zuwendung, wer nicht. Ein Moment, der mich zutiefst erschüttert hat, war, als eine Bewohnerin zu mir sagte: 'Ich habe solche Angst, aber ich sehe doch, dass ihr keine Zeit für mich habt.' Genau das ist die Realität: Wir sprechen von Würde und Betreuung, aber wir haben oft nicht einmal Zeit für ein Gespräch."
Nach weiteren Gesprächen mit der Leitung folgte die fristlose Entlassung, Lisa F. geht dagegen vor. Der Fall liegt bei der AK, der Gerichtstermin findet am 9. Juni statt: "Ich kämpfe nicht nur um meinen Job, sondern gegen ein System, das Sicherheit und Menschenwürde gefährdet."
Für Lisa F. ist klar: Es brauche "endlich ausreichend Personal und realistische Personalschlüssel, damit Pflegekräfte ihre Arbeit fachlich verantwortbar machen können. Niemand darf gezwungen sein, täglich zwischen Grundbedürfnissen von Menschen entscheiden zu müssen". Fakt ist: Neben Lisa F. meldete sich auch eine weitere Pflegekraft des PBZ Korneuburg: "So arg wie in Korneuburg war’s noch nirgends", so die Fachkraft gegenüber "Heute" – mehr zu diesem Fall hier.
Hilfe erfährt sie von SPNÖ-Chef Sven Hergovich: "Wenn Missstände aufgezeigt werden und dafür Kündigungen drohen, entsteht ein Klima der Angst. Das ist inakzeptabel und ein strukturelles Problem." Er pocht auf mehr Personal, ein Aus von 12-Stunden-Diensten, Whistleblower-Schutz, bessere Arbeitsbedingungen, unangekündigte Kontrollen und eine Attraktivierung des Pflegeberufs.
"Wer Missstände aufdeckt, darf nicht gekündigt werden, sondern muss geschützt werden. Wenn Pflegekräfte Angst haben müssen, die Wahrheit auszusprechen, läuft im System etwas grundlegend falsch. Deshalb braucht es klare Regeln, Kontrolle und vor allem endlich mehr Personal in der Pflege", betont Hergovich.
Katja Steininger, Geschäftsführerin der Gesundheit Weinviertel GmbH der NÖ LGA hält zu dem Fall fest: "Die Vorwürfe der ehemaligen Mitarbeiterin sind unwahr und für uns nicht nachvollziehbar."
Die NÖ LGA ist den behaupteten Missständen "bereits vor Wochen nachgegangen und konnte in internen Audits, Mitarbeiterbefragungen bzw. Gesprächen keine Bestätigung dafür finden. Ebenso wurden die Behauptungen durch unabhängige Stellen widerlegt, z.B. unangekündigte Fachaufsicht durch die Behörde bzw. die Patientenanwaltschaft. Angehörige, Bewohnerinnen und Bewohner, wie auch Erwachsenenschutzvertretungen attestieren ebenfalls durchwegs hohe Zufriedenheit mit der Betreuung und Pflegequalität vor Ort".
Bei der Dienstplangestaltung werde, "so weit wie möglich, auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingegangen. In der Pflege sind 12-Stunden-Schichten üblich und beliebt, da selbige den Mitarbeitenden freie Tage zwischen den Diensten ermöglichen. Es sind aber auch kürzere Dienstformen, wie zum Beispiel 6-, 8- oder 10-Stunden-Dienste möglich und gängig. Das Beschäftigungsausmaß wird durch Mitarbeitende selbst gewählt".
Die Entlassung der Mitarbeiterin "erfolgte aufgrund gravierender Dienstpflichtverletzungen und begründet sich nicht mit der Weitergabe von Informationen".
Und: In der NÖ Landesgesundheitsagentur gibt es die Möglichkeit, sich anonym und vertraulich mit Informationen zu melden (Hinweis geben). "Diese Möglichkeit wurde von der ehemaligen Mitarbeiterin ebenso wenig genutzt, wie auch die unzähligen Möglichkeiten, sich bei Überlastung Hilfe zu holen – von Einzel-Gesprächen mit den Vorgesetzten über Teambesprechungen bis hin zu Gesprächen mit dem lokalen Betriebsrat oder Überlastungsmeldungen", wird betont.