6+2 oder 6+3 (Monate), die Vorschläge von SPÖ und ÖVP zur Wehrdienstreform gleichen einem Zahlensalat. Fix ist, dass der Grundwehrdienst wie bisher auch künftig sechs Monate betragen und nicht verlängert werden soll. Das ist vor allem der SPÖ wichtig. Die ÖVP wiederum drängt auf ein verpflichtendes Milizsystem. Die Neos stehen grundsätzlich auf der Bremse.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verweist bei seinem bevorzugten 6+3-Modell auf die Wehrdienstkommission. Beobachter sehen in der aktuellen Debatte aber ein Feilschen um Tage und Monate. Denn mit dem vor wenigen Monaten präsentierten 8+2-Modell der Wehrdienstkommission hat die politische Diskussion im Grunde nichts mehr zu tun.
Experten kritisieren die Abkehr von diesem Vorschlag, denn: Das von der Regierung nun diskutierte Modell sei deutlich teurer – rund 250 Millionen Euro pro Jahr. Und: Im Ernstfall sei das Bundesheer nicht einsatzfähig. Sechs Monate Grundausbildung seien einfach zu wenig, so das Argument von Militärfachleuten.
Wirtschaftlich und militärisch stehen die auf sechs Monate Grundwehrdienst basierenden Modelle in der Kritik, dennoch scheint es politisch darauf hinauszulaufen. Der Fahrplan der Koalition ist klar. Bis zum Sommerministerrat Ende Juli soll ein Kompromiss gefunden worden sein.
Der frühere Verteidigungsminister und Mitglied der Wehrdienstkommission Thomas Starlinger war am Dienstag Gast im Ö1-Morgenjournal. Angesprochen auf die von den Regierungsparteien bevorzugten Modelle spricht er von einem "ganz schlechten Kompromiss". Dieser sei gar "höchst verantwortungslos gegenüber den Soldaten, die eingesetzt sind und der Bevölkerung". Starlinger verwendet angesichts der laufenden WM einen Fußballvergleich. Nach sechs Monaten sei der Spieler, also der Soldat, erst in der Lage zu dribbeln, aber erst im siebten und achten Monat wäre er bereit, in der Mannschaft zu spielen. Im schlimmsten Fall würde das bedeuten, dass ein Einsatz – "dieser kann morgen passieren" – mit Soldaten geschieht, die nicht ausgebildet seien.
Im internationalen Vergleich liege man mit acht Monaten Grundwehrdienst ohnehin schon am unteren Ende. Diese Dauer noch einmal kürzer zu gestalten sei, Starlinger bleibt bei dem Begriff, "höchst verantwortungslos".