Zwei Wiener Unternehmen wollen gemeinsam zeigen, dass nachhaltiger Onlinehandel auch über viele Ländergrenzen hinweg funktionieren kann. Der Marktplatz refurbed und der Logistik-Anbieter byrd arbeiten künftig enger zusammen, um den Verkauf von generalüberholten Geräten und Zubehör in Europa einfacher abzuwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei eine Frage, die viele Onlinehändler beschäftigt: Wie lässt sich Wachstum organisieren, ohne dass die eigene Infrastruktur immer größer und komplizierter wird?
refurbed wurde 2017 in Wien gegründet und hat sich auf generalüberholte Produkte spezialisiert. Über die Plattform können Kundinnen und Kunden unter anderem Smartphones, Laptops und Tablets kaufen, die professionell aufbereitet wurden. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das Angebot mittlerweile rund 55.000 Produkte. Die Geräte sollen länger genutzt werden und dadurch helfen, Ressourcen zu sparen und Elektroschrott zu reduzieren.
Heute ist refurbed in 24 europäischen Ländern aktiv. Neben Österreich gehören dazu unter anderem Deutschland, die Schweiz, Spanien, Schweden, Italien, Irland, die Niederlande, Dänemark, Belgien, Finnland, Portugal und Tschechien. Das Unternehmen beschäftigt in den verschiedenen Märkten rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Während das ursprüngliche Geschäftsmodell von refurbed vor allem auf einem Marktplatz basiert, bei dem Händler die aufbereiteten Geräte selbst lagern und verschicken, entstand mit dem Ausbau des Zubehörbereichs eine neue Herausforderung.
Produkte wie Handyhüllen, Ladekabel oder Displayschutzfolien sollten direkt über die Plattform angeboten werden. Gerade bei kleineren Artikeln spielt die Logistik eine große Rolle. Während der Versand eines teureren Geräts wie eines Laptops höhere Transportkosten leichter auffängt, können bei Zubehör im Preisbereich von etwa 15 bis 25 Euro schon kleine Verzögerungen oder zusätzliche Arbeitsschritte einen großen Unterschied machen. Für refurbed bedeutete das: Es musste eine Lösung gefunden werden, die europaweit funktioniert, flexibel bleibt und gleichzeitig nicht den Aufbau eigener großer Lagerstrukturen notwendig macht.
Genau an diesem Punkt kam die Zusammenarbeit mit byrd ins Spiel. Die beiden Unternehmen stammen aus der Wiener Start-up-Szene und kannten sich bereits seit mehreren Jahren. Bei der Suche nach einer passenden Logistiklösung entschied sich refurbed schließlich für byrd. Der Anbieter unterstützt Onlinehändler bei Lagerung, Versand und der technischen Verbindung verschiedener Systeme. Durch die Zusammenarbeit soll refurbed seine Zubehörprodukte in mehreren europäischen Ländern anbieten können, ohne dafür selbst umfangreiche Logistikstandorte aufbauen zu müssen.
"Der Hauptgrund, warum wir uns für byrd als Fulfillment-Partner entschieden haben, ist ihre europäische Fulfillment-Expertise und der Ansatz, Herausforderungen mit skalierbarer Technologie zu lösen. Diese Partnerschaft ermöglicht es uns, Versandkosten und Lieferzeiten länderübergreifend niedrig zu halten. Das ist ein entscheidender Faktor, um diese Produktkategorie überhaupt profitabel zu betreiben", sagt Kilian Kaminski, Co-Founder von refurbed. Bestellungen werden automatisch von refurbed an die Plattform von byrd weitergeleitet und anschließend einem passenden Lager zugeteilt.
Dabei wird je nach Zielland und Produkt entschieden, welcher Versandweg am besten geeignet ist. Ziel ist es, Kosten und Lieferzeiten auszubalancieren. Dafür analysiert refurbed Daten aus den Versandprozessen. So wurden laut den Unternehmen auch verschiedene Versandvarianten getestet, etwa mit oder ohne Sendungsverfolgung. Danach wurde ausgewertet, wie sich diese Entscheidungen auf Lieferzeiten und die Zufriedenheit der Kunden auswirken. Neben eigenen Messwerten zur Kundenzufriedenheit nutzt refurbed auch Leistungsdaten von byrd. Damit sollen Abläufe angepasst werden, wenn sich Anforderungen im Onlinehandel verändern.
Durch die Zusammenarbeit konnte refurbed das neue Zubehörgeschäft nach eigenen Angaben mit einem kleinen internen Logistikteam in 19 Ländern starten. Die notwendige Infrastruktur für Lagerung und Versand übernimmt dabei byrd. Für refurbed bedeutet das weniger Aufwand bei der täglichen Abwicklung. Das Unternehmen kann sich stärker auf den Ausbau seines Marktplatzes und die Zusammenarbeit mit neuen Händlern konzentrieren, während die Logistik im Hintergrund organisiert wird.
Die Kooperation soll weiter wachsen. In Zukunft plant refurbed auch den Versand über ein lokales Fulfillment-Center von byrd in Großbritannien. Dadurch sollen Lieferungen auf dem britischen Markt schneller und kostengünstiger werden. Ein weiterer Vorteil könnte die einfachere Abwicklung nach dem Brexit sein. Durch eine lokale Lagerlösung sollen bestimmte Zollhürden reduziert und Lieferzeiten verkürzt werden.