"Das ist Geld, das keiner hat"

Regionalzüge vor dem Aus! Bahn wird Ländern zu teuer

Bahn-Alarm in Deutschland! Den Bundesländern wird der Regionalverkehr zu teuer. Jetzt drohen massive Zugstreichungen und höhere Ticketpreise.
17.10.2026, 08:39
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Bahnfahrern in Deutschland drohen schwierige Zeiten! Weil die Kosten für den Regionalverkehr deutlich steigen, schlagen die Verkehrsminister der Bundesländer Alarm. Tausende Zugverbindungen könnten langfristig auf dem Spiel stehen. Schon jetzt wurden in einzelnen Bundesländern Fahrten gestrichen. Bleibt eine Lösung aus, könnten weitere Kürzungen und sogar höhere Ticketpreise folgen.

Betroffen ist ein Verkehrssystem, das jährlich rund 2,8 Milliarden Fahrgäste nutzen. Besonders für Pendler und Menschen, die regelmäßig mit Regionalzügen unterwegs sind, könnten die Folgen erheblich sein.

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Acht Prozent mehr Kosten ab 2027

Auslöser der aktuellen Debatte sind die sogenannten Trassenentgelte. Diese Gebühren müssen Bahnunternehmen bezahlen, damit ihre Züge auf dem deutschen Schienennetz fahren dürfen. Die Einnahmen fließen an die Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO, die für das Schienennetz zuständig ist.

Bisher war die jährliche Erhöhung dieser Gebühren für den Regionalverkehr auf 1,5 Prozent begrenzt. Doch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom März 2026 änderte die Ausgangslage. Die bisherige Regelung wurde für ungültig erklärt. Daraufhin legte die deutsche Bundesnetzagentur eine Erhöhung der Trassenentgelte für Regionalzüge um acht Prozent ab 2027 fest.

Minister warnt vor massiven Streichungen

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), zugleich Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sieht dadurch große finanzielle Probleme auf die Bundesländer zukommen. "Wir müssen jetzt acht Prozent Steigerungen für das kommende Jahr auffangen. Das ist Geld, das keiner hat", erklärt er gegenüber der "Bild".

Hintergrund ist die Finanzierung des Regionalverkehrs. Die Bundesländer bestellen Zugverbindungen bei den Bahnunternehmen und bezahlen für deren Betrieb. Steigen die Kosten, müssen die Länder zusätzliche Mittel bereitstellen oder beim Angebot sparen.

Besonders problematisch sei, dass viele Verkehrsverträge bereits unter anderen finanziellen Voraussetzungen abgeschlossen wurden. "Wir haben im Vertrauen auf die Deckelung der Trassenpreise Verträge abgeschlossen. Die laufen jetzt aus dem Ruder", kritisiert Bernreiter.

Erste Zugverbindungen bereits gestrichen

Wie ernst die Situation ist, zeigt sich in Schleswig-Holstein. Dort wurden bereits einzelne Regionalzugverbindungen abbestellt. Zunächst betrafen die Kürzungen vor allem schwächer ausgelastete Fahrten in der Nacht oder an Wochenenden. Doch dabei könnte es nicht bleiben.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) warnt davor, dass ohne finanzielle Unterstützung künftig wesentlich mehr Verbindungen wegfallen könnten. "Der Nahverkehr darf in Deutschland nicht aufs Abstellgleis geraten", betont er. Auch in Bayern rechnet man mit Schwierigkeiten. Laut Bernreiter könnte die Finanzierung spätestens nach 2028 problematisch werden.

Auch Ticketpreise könnten steigen

Neben Zugstreichungen steht eine weitere mögliche Folge im Raum: teurere Fahrkarten. Madsen befürchtet, dass die steigenden Gebühren langfristig auch an die Fahrgäste weitergegeben werden könnten. Die Trassenentgelte machen einen erheblichen Teil der Betriebskosten aus. Höhere Gebühren verteuern daher den Einsatz von Regionalzügen.

Wie stark Ticketpreise tatsächlich steigen könnten, ist derzeit allerdings unklar. Konkrete Preiserhöhungen wurden im Zusammenhang mit dem aktuellen Streit bislang nicht angekündigt.

Länder fordern Geld vom Bund

Die Verkehrsminister verlangen nun eine grundlegende Reform der Schienenmaut. Bei ihrer Konferenz in Bayern wollen sie sich für dauerhaft niedrigere Trassenpreise und eine finanzielle Entlastung der Länder einsetzen. Nach Angaben Bernreiters geht es um Mehrkosten von mehreren Hundert Millionen Euro. Seine Forderung: Der Bund müsse die zusätzlichen Belastungen ausgleichen.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Madsen drängt ebenfalls auf eine rasche Lösung. Er verweist darauf, dass angesichts hoher Spritpreise eigentlich mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf die Bahn bewegt werden sollten.

Streit mit Finanzminister Klingbeil

Die Länder sehen nun die Bundesregierung in Berlin am Zug. Bernreiter beklagt, dass ein gewünschtes Gespräch mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bisher nicht zustande gekommen sei. "Leider stellt sich Berlin momentan taub", kritisiert der CSU-Politiker. Die Verkehrsminister hoffen, dass die Bundesregierung die angekündigte Reform der Trassenpreise rasch umsetzt.

Die Warnung aus den Bundesländern ist deutlich: Ohne zusätzliche Mittel oder niedrigere Gebühren drohen weitere Einschnitte beim Regionalverkehr. Leidtragende wären vor allem die Fahrgäste.

red, Akt. 17.10.2026, 08:40, 17.10.2026, 08:39