EU-Saatgutrecht vor Abschluss

"Selbst der Austausch kleinster Mengen wäre illegal"

Brisante Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht in Brüssel. Arche Noah sieht eine Bedrohung der Vielfalt und Gefährdung bäuerlicher Betriebe.
Newsdesk Heute
20.04.2026, 11:00
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In Brüssel steht am Dienstag die letzte der politischen Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht auf der Tagesordnung. "Landwirtschaft und Saatgutvielfalt in Europa sind dabei von weitreichenden Fehlentscheidungen bedroht", warnt der österreichische Sortenerhalter Arche Noah. Ursprünglich sollte die Reform mehr Transparenz und vereinfachte Verfahren bringen – tatsächlich stünden nun neue Einschränkungen und zusätzliche Bürokratie im Raum.

"Auf dem Spiel steht, ob kleinere und mittlere Betriebe weiterhin selbstbestimmt wirtschaften können und ob die landwirtschaftliche Vielfalt in Europa erhalten bleibt", so Arche-Noah-Experte für Saatgutpolitik Paul Grabenberger.

Am 5. Juli 2023 hat die EU-Kommission die neue "Verordnung über die Erzeugung und das Inverkehrbringen von Pflanzenvermehrungsmaterial" vorgelegt. Bereits seit dem letzten gescheiterten Reformversuch 2014 setzt sich Arche Noah in Brüssel dafür ein, dass die Verbreitung und nachhaltige Nutzung der Kulturpflanzen-Vielfalt explizit erlaubt wird und sämtliche Regeln, die diese Arbeit behindern, ersatzlos gestrichen werden.

Arche Noah setzt sich seit über 30 Jahren für den Erhalt und die Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt ein. Heute ist der Verein wegen der Vielfältigkeit seiner Tätigkeitsbereiche eine der größten Erhaltungsorganisationen in Europa.

Drei Konzerne dominieren den Markt

In den aktuellen Verhandlungen drohen eklatante Rückschritte für bäuerliche Saatgut-Systeme und die lokale Saatgutwirtschaft. Beides ist entscheidend, um unsere Landwirtschaft und lokale Traditionen zu schützen. Bereits jetzt beherrschen nur drei Konzerne – Bayer, Corteva und Syngenta – mehr als die Hälfte des globalen Saatgutmarkts.

"Das Europäische Parlament und insbesondere dessen Berichterstatter Herbert Dorfmann haben es in der Hand, ob landwirtschaftliche Innovationen und regionale Saatgut-Traditionen künftig möglich bleiben – oder ob Vielfalt in Europa stillschweigend verboten wird", sagt Paul Grabenberger.

"Selbst Austausch kleinster Mengen wäre illegal"

Auch die Grundlage der Kulturpflanzenvielfalt bleibt umstritten: Die Weitergabe von Saatgut zum Zweck der Erhaltung könnte drastisch eingeschränkt und lokale Initiativen wie Saatgut-Bibliotheken sogar de facto verboten werden, fürchtet Arche Noah: "Bäuer:innen könnte es in Zukunft sogar verboten sein, Saatgut über Regionengrenzen hinweg weiterzugeben. Selbst der Austausch kleinster Mengen, etwa zwischen Tirol und Südtirol oder zwischen Salzburg und Bayern, wäre somit künftig illegal." Gleichzeitig wird diskutiert, die ohnehin bereits überbordenden bürokratischen Hürden weiter zu erhöhen.

"Landwirtschaftsminister Totschnig muss seine Kolleg:innen von einem vernünftigen Kompromiss überzeugen", fordert Paul Grabenberger. "Europa braucht ein Saatgutrecht, das die landwirtschaftliche Vielfalt schützt, gesunde und vielfältige Lebensmittel sichert und die Rechte der Bäuer:innen respektiert!"

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.04.2026, 11:00
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