Der türkische YouTuber Ruhi Çenet (35) sorgt nach seiner Reise auf dem Seuchen-Schiff "MV Hondius" jetzt für heftige Diskussionen. Der Grund: Nur wenige Tage nach seiner Rückkehr besuchte der Influencer offenbar eine dicht besuchte Hochzeit in Istanbul.
Ein Bild von ihm auf der Veranstaltung verbreitete sich rasch in sozialen Netzwerken. Viele User fragten sich, ob jemand mit möglichem Kontakt zu einem gefährlichen Virus-Ausbruch überhaupt eine solche Feier besuchen sollte.
Denn Çenet gehörte zu den Passagieren der "MV Hondius", auf der derzeit wegen mehrerer Todesfälle ermittelt wird. Insgesamt waren laut Berichten 147 Passagiere und Crewmitglieder an Bord. Mindestens drei Menschen starben inzwischen im Zusammenhang mit dem Hantavirus-Ausbruch.
Der YouTuber verteidigte sich später öffentlich: "Zum Zeitpunkt meiner Teilnahme an der Hochzeit war der Ausbruch des Hantavirus noch nicht durch die WHO bestätigt." Seit der offiziellen Kundmachung befinde er sich vorsorglich in Quarantäne, zeige aber keine Symptome. Nach eigenen Angaben beobachtet er seinen Gesundheitszustand genau.
Gleichzeitig erhebt der 35-Jährige schwere Vorwürfe gegen die Crew des Schiffes. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP schildert er chaotische Zustände an Bord. Selbst nach dem Tod des ersten Passagiers sei der Alltag einfach weitergegangen. Der YouTuber berichtet, dass weiterhin gemeinsam gegessen wurde – ohne Schutzmaßnahmen: "Wir aßen weiterhin alle gemeinsam (...) und trugen dabei keine Masken."
Die Crew habe nicht einmal die Möglichkeit einer ansteckenden Krankheit an Bord in Betracht gezogen. "Sie nahmen das Problem nicht ernst genug", kritisierte Çenet. Um auf Nummer sicher zu gehen, begaben sich sein Kameramann und er freiwillig in Selbstisolation: "Wir wussten zwar noch nichts von einem Virus, trafen aber vorsorglich entsprechende Vorkehrungen."
Çenet war am 1. April im argentinischen Ushuaia an Bord gegangen. Die Kreuzfahrt führte unter anderem zur abgelegenen Inselgruppe Tristan da Cunha im Südatlantik. Viele der Passagiere waren laut ihm ältere Hobby-Ornithologen, ein Ticket kostete umgerechnet rund 8.500 Euro.
Am 12. April kam dann die Schock-Durchsage: Der Kapitän informierte die Gäste über den Tod eines 70-jährigen Niederländers. Laut Çenet habe der Schiffsarzt damals noch erklärt, es bestehe "keine Ansteckungsgefahr".
Çenet verließ die "MV Hondius" schließlich am 24. April auf der Insel St. Helena. Von dort flog er über Südafrika zurück nach Istanbul.
Besonders bedrückend war für ihn die Begegnung mit der Ehefrau des ersten Todesopfers auf dem Flughafen. "Sie saß im Rollstuhl, ihr Kopf hing herab. Offenbar begann die Krankheit ihr zuzusetzen", erinnert er sich. Einen Tag später starb die Frau.