Wirbel in Deutschland

Als Lehrer im Krankenstand – aber Job bei AfD-Fraktion

Ein AfD-Politiker-Sohn soll trotz Krankenstand als Fraktionsmitarbeiter gearbeitet haben. Dem Lehrer drohen mögliche dienstrechtliche Konsequenzen.
Newsdesk Heute
09.05.2026, 12:52
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Die AfD im Saarland (D) steht wegen möglicher Vetternwirtschaft und fragwürdiger Nebenjobs unter Druck. Im Mittelpunkt steht ausgerechnet der Sohn des AfD-Fraktionschefs Josef Dörr, der während einer langen Krankenmeldung als Mitarbeiter der Landtagsfraktion beschäftigt gewesen sein soll.

Wie der "Spiegel" berichtet, arbeitete Michel Dörr nebenbei für die saarländische AfD-Landtagsfraktion – finanziert aus öffentlichen Geldern für Fraktionsmitarbeiter. Gleichzeitig war der verbeamtete Lehrer an einer Gemeinschaftsschule offenbar über längere Zeit krankgeschrieben.

Ein Jahr im Krankenstand

Brisant: Laut dem Bericht wusste das saarländische Bildungsministerium zunächst nichts von der Nebentätigkeit. Insider sprechen davon, dass Dörr ungefähr ein Jahr lang nicht mehr unterrichten konnte. Stattdessen soll er für die AfD-Fraktion gearbeitet haben.

Das Verhältnis zwischen dem 87-jährigen AfD-Fraktionschef Josef Dörr und seinem Sohn galt lange als zerrüttet. Michel Dörr hatte sich in einem parteiinternen Machtkampf einst mit Gegnern seines Vaters verbündet, verlor jedoch den Konflikt und wurde schließlich aus der Partei ausgeschlossen. Inzwischen scheint die Beziehung laut dem Bericht wieder verbessert zu sein.

Bildungsministerium reagiert

Das Bildungsministerium reagierte inzwischen auf den Fall. Dort heißt es, Nebentätigkeiten könnten untersagt werden, wenn sie "dem Ansehen der öffentlichen Verwaltung abträglich" seien. Problematisch sei es etwa dann, wenn der Eindruck entstehe, "ein Beamter fühle sich zu krank dafür, seine Arbeitskraft für seine regulären Dienstaufgaben aufzuwenden, aber fit genug für bezahlte Nebentätigkeiten".

Das Ministerium bestätigte zudem, dass der Lehrer aufgefordert worden sei, "zu seiner nicht angezeigten Nebentätigkeit Stellung zu beziehen". Dies sei mittlerweile erfolgt. "Dienstrechtliche Maßnahmen werden geprüft", erklärte das Ministerium weiter. Details zur Krankenmeldung wolle man aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht bekanntgeben.

Nach "Spiegel"-Informationen wurde die Tätigkeit des Lehrers im Landtag erst entdeckt, als die AfD-Fraktion im Februar eine elektronische Zugangskarte für Michel Dörr beantragt hatte. Dabei musste sein Name aus Sicherheitsgründen angegeben werden. Als die Schulbehörden davon erfuhren, soll Dörr den Nebenjob eingeräumt haben.

Versetzung in andere Schule

Inzwischen sei die Krankenmeldung beendet. "Der Betroffene ist mittlerweile wieder im Dienst", teilte das Bildungsministerium mit. Laut Insidern wurde er an eine andere Gemeinschaftsschule im Raum Saarbrücken versetzt.

Während die Kritik wächst, schweigt die AfD im Saarland bisher zu den Vorwürfen. Weder Josef Dörr noch sein Sohn Michel oder die Landtagsfraktion reagierten laut "Spiegel" auf mehrere Anfragen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.05.2026, 12:52
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