Österreich braucht mehr Stromspeicher – davon sind Energieexperten, Politiker und private Investoren überzeugt. Der Grund: Mit dem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik schwankt die Stromerzeugung stärker. In manchen Stunden gibt es viel zu viel Strom, in anderen zu wenig.
Großbatterien könnten genau hier helfen. Sie speichern überschüssigen Strom, etwa aus der Mittagszeit, und geben ihn später wieder ab. Das soll Preisspitzen abfedern, Netze entlasten und teuren Ausbau verringern. Laut dem Bundesverband Energiespeicher Österreich könnten durch den angekündigten Ausbau rund 2,6 bis 4,1 Milliarden Euro an Netz- und Stromkosten wegfallen, wie die "Kleine Zeitung" berichtet.
Geplant sind in Österreich fünf Gigawatt an Speichern. Dafür stünden laut Branche rund fünf Milliarden Euro privates Kapital bereit. Doch ein Streit um Netzentgelte bremst die Projekte. Batteriespeicher zahlen derzeit Gebühren, wenn sie Strom aus dem Netz beziehen – und erneut, wenn sie Strom wieder abgeben.
Die Betreiber fordern deshalb eine Befreiung von Netzentgelten. Der Regulator E-Control will diese Entlastung jedoch nur unter strengen Bedingungen zulassen. Hintergrund ist die Sorge, dass Endkunden höhere Kosten tragen müssten, wenn Speicherbetreiber lange nicht zur Finanzierung der Netze beitragen.
Urban Windelen, Präsident des deutschen Bundesverbandes Energiespeicher Systeme, hält diese Sorge für falsch. "Alles Unsinn", sagt er. Der Speicherzubau sei im schlechtesten Fall kostenneutral, meist aber günstiger für das System. In Deutschland würden Speicher bereits vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr ersparen. Sein Fazit: "Speicher sind Erste Hilfe fürs System."
Auch in Österreich drängt die Branche auf eine rasche Lösung. Christoph Schmidt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher Österreich, schlägt einen Kompromiss nach deutschem Vorbild vor: keine pauschale Befreiung für 20 Jahre, sondern eine Entlastung für zwölf Jahre – und nur dann, wenn Speicher etwa mit Windkraftanlagen gekoppelt und netzdienlich betrieben werden.
Aus Sicht der Branche geht es nicht nur um einzelne Projekte, sondern um die Kosten des gesamten Energiesystems. Kleine Speicher bei Betrieben mit eigener Solaranlage könnten helfen. Ohne Großspeicher komme das System laut Schmidt aber nicht aus.