Im Mordprozess um den Tod eines elfjährigen Buben kommen am Landesgericht Leoben erschütternde Details zur Sprache. Die 39-jährige Mutter hat gestanden, ihren Sohn Ende Jänner 2026 in der gemeinsamen Wohnung getötet zu haben. Aktuell geht es im Prozess um das Motiv.
Schon zu Beginn macht Staatsanwältin Viktoria Steinecker laut Kleine Zeitung deutlich, was die Geschworenen im Laufe des Verfahrens erwartet. "Ich sage es ihnen gleich, es ist keine leichte Kost, was auf sie zukommt", sagt sie. "Ich habe lange überlegt, wie ich ihnen diesen Fall vortragen kann, wie ich sie schonen kann. Aber ich kann sie nicht schonen, sie müssen jedes Detail kennen", fährt sie fort.
Dass die 39-Jährige ihren Sohn getötet hat, bestreitet sie nicht. "Es gibt keinen anderen Täter, alles zeigt auf sie. Sie war es. Und die gute Nachricht ist, sie ist auch geständig", so die Staatsanwältin laut Kleine Zeitung.
Besonders verstörend sind die Angaben zum mutmaßlichen Motiv. Die Angeklagte und ihr Sohn hätten laut ihren Angaben eine schlimme Vergangenheit gehabt, die von einem satanischen Kult "mit Verbindungen in die höchsten Kreise" geprägt gewesen sei. Zudem habe die Mutter Stimmen gehört. Diese hätten ihr prophezeit, dass ihrem Sohn eine schreckliche Zukunft bevorstehe und sie diese nicht verhindern könne.
"Das klingt wahnsinnig, das sagt sie auch selbst", so Steinecker. Die Staatsanwältin warnt die Geschworenen zugleich vor der Argumentation der Angeklagten: "Die Angeklagte wird versuchen, Sie in die Irre zu führen, sie wird Ihnen weismachen wollen, dass sie wahnsinnig ist. Das ist ihre einzige Chance, denn in diesem Fall könnte sie für die Ermordung ihres Sohnes nicht verurteilt werden", berichtet die Kleine Zeitung.
Laut den psychiatrischen Gutachten war die Frau zum Tatzeitpunkt voll zurechnungsfähig. Auch eine Beeinträchtigung durch Alkohol, Drogen oder andere Substanzen wurde laut toxikologischem Gutachten nicht festgestellt.
Vor Gericht werden auch die Details der Tat geschildert. Die 39-Jährige soll ihrem Sohn im Badezimmer mit einem Brotmesser die Kehle durchgeschnitten und anschließend weiter auf ihn eingestochen haben.
Danach habe sie den Elfjährigen in ein anderes Zimmer gebracht und dort erneut auf ihn eingestochen. Die Mutter wählte schließlich den Notruf, erwähnte dabei laut Staatsanwältin aber nicht, dass sie ihren Sohn getötet hatte.
Der Verteidiger zeichnet in seinem Eröffnungsplädoyer ein anderes Bild der Angeklagten. Er beschreibt sie als liebevolle Mutter, die allerdings unter massiven psychischen Problemen gelitten habe.
Die von ihr wahrgenommenen Stimmen und Gesänge seien immer stärker geworden. Am Tag der Tat hätten diese ihr geraten, ihren Sohn vor einer schlechten Zukunft zu bewahren. Nach der Tötung habe die Frau auch versucht, sich selbst das Leben zu nehmen.
Als die 39-Jährige selbst vor Gericht zu Wort kommt, erzählt sie auch von ihrer Drogenvergangenheit. Sie spricht schnell, leise, aber mit klarer Stimme.
Zwischen ihrem zwölften und 23. Lebensjahr sei sie schwer drogenabhängig gewesen. "Ich habe alles genommen, bis hin zu Heroin. Mit 23 ist es mir gelungen davon wegzukommen. Ich war jahrelang in Therapie", sagt sie vor Gericht.
Im weiteren Verfahren sollen neben der Angeklagten auch mehrere Gutachter befragt werden. Ein Urteil wird noch für heute erwartet.