Mehr Hitze, veränderte Wetterlagen und steigender Stromverbrauch könnten die Stromnetze weltweit vor neue Herausforderungen stellen. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt nun: Entscheidend ist nicht nur, wie viel erneuerbare Energie gebaut wird – sondern vor allem, wo.
Denn werden Windparks, Solaranlagen und Stromleitungen nach den Wetterbedingungen der Vergangenheit geplant, könnten Stromengpässe künftig massiv zunehmen.
Die Forscher untersuchten die Stromsysteme in Texas und Neuengland. Das Ergebnis ist alarmierend: Werden künftige Klimaveränderungen bei der Planung nicht berücksichtigt, könnten sich Energieausfälle bis 2050 um bis zu 500 Prozent erhöhen.
Das könnte in weiterer Folge auch das Risiko von Blackouts steigern. Der Grund: Extreme Wetterlagen wirken oft gleichzeitig auf mehrere Teile des Stromsystems. Während etwa Wind- und Solarstrom einbrechen, kann gleichzeitig der Strombedarf steigen. Dazu kommen Engpässe bei Leitungen und Fehlentscheidungen beim Bau neuer Anlagen.
"Wo man Wind- und Solaranlagen errichtet, ist entscheidend dafür, ob man Energie dann liefern kann, wenn sie gebraucht wird", erklärt Liying Qiu, Erstautorin der Studie. Bisher stand bei der Energiewende vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie viel erneuerbare Energie zugebaut wird. Die MIT-Forscher plädieren für einen neuen Blick auf das Problem: Wann und wo Strom erzeugt wird, sei mindestens ebenso wichtig wie die Gesamtkapazität.
Die beiden untersuchten Regionen unterscheiden sich deutlich. In Neuengland könnten künftige wetterbedingte Schwankungen vor allem Investitionen in Solaranlagen und Stromleitungen nahe großer Städte notwendig machen.
In Texas wiederum stellen laut Studie vor allem Übertragungsengpässe ein Risiko dar. Eine klimafitte Planung würde demnach stärker auf Windparks im Westen des Bundesstaates setzen, um die künftige Stromnachfrage besser abzudecken.