"Homs da ins Hirn gsch***?"

Todesschuss im Streit, dann skurriler Brief aus Häf’n

Beim Mordprozess am Wiener Land verstrickte sich der angeklagte Hobby-DJ am Montagfrüh in Widersprüche. Aus dem Häf’n hatte er einen Brief verfasst.
Christian Tomsits
09.03.2026, 16:15
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Die sinnlose Bluttat erschütterte im vergangenen Herbst den Josef-Bohmann-Hof in der Wiener Donaustadt. Nach sechs Flaschen Rotwein soll Heinz R. (50) mit einem Revolver seinen Nachbarn Milad E. erschossen haben, weil sich der 33-jährige Iraner um vier Uhr früh über wummernde Techno-Beats aus der Wohnung des arbeitslosen Hobby-DJs beschwert hatte.

Trotz (dringend benötigter) Hörgeräte hatte der Angeklagte am Montag im gesteckt vollen Gerichtssaal Probleme, die Fragen des Richters zu beantworten. Das lag allerdings nicht an dessen Lautstärke, sondern eher an intellektuellen Defiziten des Befragten.

Statt auf die Gründe der Gewalteskalation einzugehen, holte der Wiener lieber lange über einen Wasserrohrbruch in seiner Wohnung aus, ging auf seine Techno-Sessions auf Twitch ein und verriet sogar sein Geheimrezept für Glühwein (Orangensaft mit Rotwein und Zimt), mit dem er eine angebliche Verkühlungen in den Stunden vor der Tat "behandelt" hatte.

"Kommen Sie zur Sache", riet ihm der Rat. Dann hielt er ihm einen Brief vor, mit dem sich "Techno-Heinz" eher ungeschickt aus dem Häf’n mit einer Notwehr-Version verteidigt hatte. "Wenn ich nicht geschossen hätte, wäre ich nicht mehr am Leben", kritzelte er in seiner Zelle auf Papier. Er will Angst davor gehabt haben, dass sein Nachbar ihn mit einem Messer – das Ermittler nirgends finden konnten – abstechen würde.

"Das Messer habe ich mir nur eingebildet", schwenkte der von Star-Anwältin Astrid Wagner verteidigte Angeklagte schließlich um: "Des wor a Unfall, der Schuss hat sich g’löst", so der Sportschütze. Zuvor sei der Nachbar aber dennoch aggressiv gewesen. "Er hot gegen die Tür treten, da hob i earm gfrogt obs earm ins Hirn gsch**** hobn", erklärte der glühende Austria- und Gigi D'Agostino-Fan.

Allein: Fremdenfeindlich sei er sicher nicht, so seine Anwältin. Dokumentierte Nazi-Parolen des Mordverdächtigen sowie dessen Hooligan-Vergangenheit oder der protokollierte Notruf aus der Tatnacht ("Ich hab meinen Nachbarn erschossen. Er ist ein Ausländer, es gehört ihm eh") ließen Gegenteiliges vermuten. Auch die Aussage einer Polizistin, die den Verdächtigen "one shot, one kill (ein Schuss, ein Toter)" sagen hörte, half seiner Glaubwürdigkeit nicht.

"Der Heinzi, der Trottl…", brachte ein Bekannter des Angeklagten seinem Sitznachbarn zuraunend bereits vor Verhandlungsbeginn unbewusst wohl das auf den Punkt, was sich mit Fortdauer des Mordprozesses immer mehr Zuschauer gezwungenermaßen denken mussten. Immerhin: Unter Tränen entschuldigte sich der Schütze beim Cousin des Opfers im Saal. Das Mordurteil fiel einstimmig: 19 Jahre Haft, nicht rechtskräftig.

{title && {title} } ct, {title && {title} } Akt. 09.03.2026, 17:07, 09.03.2026, 16:15
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