Die berühmte Amalfiküste in Süditalien wird immer stärker zum Symbol für die Schattenseiten des Massentourismus. Wie der britische "Telegraph" berichtet, fühlen sich Bewohner mancher Orte mittlerweile "in ihren Häusern eingesperrt", weil sich täglich Tausende Besucher durch die engen Gassen drängen.
Videos aus Positano in den sozialen Medien zeigen bereits am ersten Mai-Wochenende dichte Menschenmengen, verstopfte Straßen und lange Staus.
"Wir haben unsere Grenzen erreicht – als Einwohner müssen wir uns in unseren Häusern einschließen", schrieb etwa ein Anwohner bei Facebook. Besonders Tagesgäste von Kreuzfahrtschiffen geraten zunehmend in die Kritik. Viele Besucher würden nur wenige Stunden bleiben, jedoch enorme Belastungen für Infrastruktur und Verkehr verursachen - und Hotelgäste abschrecken.
Salvatore Gagliano, früherer Bürgermeister von Positano und Betreiber eines Fünf-Sterne-Hotels in Praiano fordert daher, die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe an der Amalfiküste zu beschränken. "Die Straßen sind eng. Wenn sie verstopft sind, herrscht völliges Chaos", schilderte er dem Telegraph.
Tourismusexperten sehen vor allem Social Media als Verstärker des Problems. Instagram- und TikTok-Videos hätten die malerischen Orte zu globalen Sehnsuchtszielen gemacht. Gleichzeitig seien Reisen durch Billigflüge und Kreuzfahrtangebote deutlich günstiger geworden.
Die Forderungen nach Besucherlimits werden lauter. Einige Gemeinden prüfen bereits Maßnahmen zur Regulierung der Touristenströme. Allerdings stoßen Verbote für Kreuzfahrtschiffe oder Tagesbesucher häufig an rechtliche Grenzen.
Auch Reisende selbst berichten zunehmend von Frust statt Dolce Vita. Lange Wartezeiten, überfüllte Strände und Verkehrschaos würden das Urlaubserlebnis beeinträchtigen. Experten raten deshalb dazu, auf weniger bekannte Orte auszuweichen oder die Region außerhalb der Sommermonate zu besuchen.