Eine neue Schnellstraße als Ausflugsziel? Was kaum zu glauben ist, sorgt derzeit im Mühlviertel für Kopfschütteln. Auf der Baustelle der S10 bei Rainbach (Bez. Freistadt) tummeln sich immer häufiger Freizeitsportler. Dabei ist das Betreten strengstens verboten. Im Juni kam dort sogar ein 15-Jähriger ums Leben.
Doch warum zieht es so viele Menschen ausgerechnet auf eine gefährliche Baustelle? Eine mögliche Erklärung liefert der Baufortschritt: Je mehr die neue Schnellstraße Gestalt annimmt, desto attraktiver wird sie offenbar für Radfahrer, Läufer und Spaziergänger.
Die Fahrbahndecke ist in manchen Abschnitten bereits fertig. Was auf den ersten Blick wie eine unbenutzte Straße aussieht, ist allerdings nach wie vor eine aktive Großbaustelle.
Laut Asfinag haben die unerlaubten Besuche in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Dabei bleibt es nicht immer beim Ignorieren der Verbotsschilder: Manche Besucher schieben sogar Bauzäune zur Seite, um auf die Strecke zu gelangen.
Neu ist das Problem nicht. Bereits am 29. Juli veröffentlichte die Gemeinde Rainbach eine eindringliche Warnung auf ihrer Internetseite. Das Befahren und Betreten der S10-Baustelle sei strengstens verboten. Wer sich nicht daran hält, müsse mit einer Strafanzeige rechnen.
Trotzdem gehen die unerlaubten Besuche offenbar weiter. Inzwischen kontrollieren Sicherheitsdienste das Gelände regelmäßig, zusätzlich kommen Kameras zum Einsatz. Auch die Polizei ist verstärkt vor Ort.
Besonders tückisch: Nicht alle Gefahren sind auf den ersten Blick erkennbar. Neben tiefen Schächten und steilen Absturzkanten gibt es auch gespannte Drähte, die bei Beton- und Asphaltarbeiten benötigt werden.
Dazu kommt der Baustellenverkehr. Schwere Maschinen und Lkw sind unterwegs, Fahrwege können sich laufend ändern.
Wie gefährlich das werden kann, zeigte sich am 9. Juni. Damals wurde ein 15-jähriger Mopedfahrer auf der Labacher Straße im Baustellenbereich von einem zurücksetzenden Lkw erfasst und mehrere Meter mitgeschleift. Der Jugendliche starb noch an der Unfallstelle.
Die Asfinag appelliert deshalb besonders an Eltern, ihre Kinder von der Baustelle fernzuhalten. Warum sich Menschen trotz der Warnungen immer wieder Zutritt verschaffen, ist bisher nicht geklärt.
Geduld ist jedenfalls noch länger gefragt: Erst im Herbst 2027 soll die Umfahrung Rainbach für den Verkehr freigegeben werden. Bis dahin bleibt auch die bereits asphaltierte Fahrbahn tabu.