Papst Leo XIV. hat sich vor dem bevorstehenden Besuch von US-Außenminister Marco Rubio deutlich gegen neue Angriffe von Donald Trump gewehrt. "Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, soll er das mit der Wahrheit tun", sagte das Kirchenoberhaupt laut Kathpress am Dienstagabend in Castel Gandolfo.
Hintergrund ist eine erneute Behauptung Trumps, der Papst würde es gutheißen, wenn der Iran über Atomwaffen verfüge. Gegenüber dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt hatte Trump dies zuletzt wiederholt. Leo XIV. widersprach nun klar: Die katholische Kirche spreche sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, daran gebe es "keinen Zweifel".
Der 70-jährige Papst erinnerte zudem an seine ersten Worte nach seiner Wahl: "Friede sei mit euch!" Die Aufgabe der Kirche sei es, das Evangelium und den Frieden zu verkünden.
Die Spannungen zwischen dem Vatikan und Trump halten bereits seit Monaten an. Mitte April hatte der US-Präsident dem Papst vorgeworfen, "schwach bei der Kriminalitätsbekämpfung" und "furchtbar in der Außenpolitik" zu sein. Anlass war die Kritik des Kirchenoberhaupts am Angriff der USA und Israels auf den Iran, den Leo XIV. als "wahrlich inakzeptabel" bezeichnet hatte. Trump erklärte damals öffentlich: "Ich bin kein Fan von Papst Leo."
Für zusätzliche Empörung sorgte später ein KI-generiertes Bild, das Trump selbst als Heiland zeigte. Nach heftiger Kritik löschte er das Bild wieder und behauptete, er habe gedacht, es stelle ihn als Arzt dar.
Auch US-Vizepräsident JD Vance griff den Papst öffentlich an. Bei einer Veranstaltung in Georgia erklärte er, Leo XIV. müsse "vorsichtig sein, wenn er über Fragen der Theologie spricht". Der Pontifex hatte zuvor erklärt, Gott stehe nie auf der Seite jener, "die das Schwert führen". Leo XIV. reagierte bisher vergleichsweise gelassen auf die Attacken. Er habe "keine Angst vor Trump", wolle sich aber nicht auf eine öffentliche Debatte mit dem US-Präsidenten einlassen.
Am Donnerstag wird nun US-Außenminister Marco Rubio im Vatikan erwartet. Dem katholischen Politiker kommt dabei eine heikle Rolle zu: Er soll die Spannungen zwischen Washington und dem Kirchenoberhaupt entschärfen.
Neben einem Treffen mit Leo XIV. sind auch Gespräche mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin geplant. Anschließend will Rubio in Rom Italiens Außenminister Antonio Tajani treffen, auch eine Begegnung mit Premierministerin Giorgia Meloni steht im Raum.
Besonders brisant: Rubio hatte sich auffallend zurückgehalten, als Trump und Vance den Papst attackierten. Beobachter sehen darin einen möglichen Versuch, die Beziehungen zum Vatikan nicht weiter zu belasten.