Angesichts der hohen Spritpreise wird derzeit wieder verstärkt über eine Senkung des Tempolimits auf Autobahnen und Schnellstraßen von 130 auf 100 km/h diskutiert – neben Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, sie spricht von einem "pragmatischen Ansatz", äußerte sich auch Bundeskanzler Christian Stocker (beide ÖVP) zu dieser Thematik. Der Regierungschef stellt dabei allerdings klar die Freiwilligkeit in den Vordergrund.
Im Raum steht, dass dadurch der allgemeine Spritverbrauch in Österreich um bis zu 25 Prozent gesenkt werden könne. Der Autofahrerclub ÖAMTC sieht diese Überlegungen kritisch und sieht auch das gesamtwirtschaftliche Spritspar-Potential durch eine solche Reduktion "oft überschätzt".
In einer Aussendung erklärt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung: "Das Suggerieren solcher gesamtwirtschaftlichen Einsparmöglichkeiten ist unseriös. Es ist zwar unstrittig, dass bei einer einzelnen, konstanten Autobahnfahrt mit Tempo 100 statt 130 unter Idealbedingungen bis zu 25 Prozent Kraftstoff eingespart werden können. Daher empfehlen wir auch stets vorausschauend zu fahren und das Tempo anzupassen. Die Wirkung eines niedrigeren Tempolimits auf den Gesamtspritverbrauch in Österreich lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Dieser sinkt bei allgemein Tempo 100 um etwa drei Prozent", so der Experte.
Selbst der Sachstandsbericht Mobilität 2024 des Umweltbundesamtes (UBA) lege nahe, dass Tempo 100 nur rund vier Prozent der in Österreich verbrauchten Gesamtspritmenge einsparen würde.
Ein wesentlicher Grund für den großen Unterschied: Die für eine Gesamtbetrachtung relevanten Durchschnittsgeschwindigkeiten, die auf Autobahnen gefahren werden, liegen zum Teil deutlich unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, was das Sparpotential deutlich einschränkt. Zudem findet auf Autobahnen nur rund ein Drittel des österreichischen Pkw-Verkehrs statt. Mehr als die Hälfte davon bereits in Bereichen mit bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen. Auch die steigende Zahl von E-Autos und viele ausländische Fahrzeuge, die nicht hier tanken, spielen eine Rolle. Die Folge: der gesamtwirtschaftliche Einsparungseffekt für Österreich ist viel moderater als bei einer Einzelfahrt unter Idealbedingungen.
Als Alternative zu einer bei den Österreicher:innen sehr unpopulären Absenkung von Tempolimits schlägt der ÖAMTC vor, über eine Anpassung der Ampelschaltungen in der Stadt in Richtung "Grüne Welle" sowie ein Überholverbot für Lkw auf zweispurigen Autobahnen nachzudenken. Wiesinger: "Beides zusammen würde mehr Sprit sparen als ein Tempolimit für Pkw auf Autobahnen und Schnellstraßen."
Der ÖAMTC empfiehlt seit Jahren, vorausschauend und spritsparend zu fahren: Wer das Tempo bewusst reduziert, senkt den eigenen Verbrauch sofort und ohne gesetzliche Vorgaben. Das erfordert keine neuen Gesetze und keine behördlichen Anordnungen. Alle, die mit dem Auto unterwegs sind, können diesen Schritt eigenverantwortlich setzen – und damit unmittelbar und spürbar ihre Kosten senken.