In Brasilien angeworben

Verdacht auf Menschenhandel – Razzia in Tiroler Hotel

Bei einer Razzia in einem Tiroler Hotel hat die Finanzpolizei acht brasilianische Arbeiter ohne Anmeldung entdeckt. Dem Betreiber drohen hohe Strafen.
Newsdesk Heute
03.05.2026, 09:44
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Ein Tiroler Hotel im Bezirk Landeck ist ins Visier der Behörden geraten: Bei einer groß angelegten Kontrolle der Finanzpolizei gemeinsam mit der Polizei Ende Februar wurden massive Verstöße gegen Arbeits- und Aufenthaltsbestimmungen aufgedeckt – bis hin zum Verdacht auf Menschenhandel.

Arbeiter versteckten sich in Toilette

Bereits zu Beginn der Kontrolle versuchten sich zwei Personen dem Zugriff der Beamten zu entziehen, indem sie sich in einer Toilette und in einem Waschraum versteckten. Insgesamt trafen die Beamtinnen und Beamten acht Arbeiterinnen und Arbeiter an, die nicht zur Sozialversicherung angemeldet waren. Sie wurden wegen illegalen Aufenthalts festgenommen.

Da es sich bei den Personen ausschließlich um brasilianische Staatsangehörige handelte, wurde umgehend eine gemeinsame Intensivkontrolle unter Einbeziehung der fremden- und grenzpolizeilichen Einheit PUMA der LPD Tirol initiiert. Die Überprüfung der Reisedokumente sowie der zwingend erforderlichen Bewilligung nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz ergaben, dass diese Papiere gänzlich fehlten

Verdacht auf Ausbeutung und Menschenhandel

Aufgrund der verdächtigen Gesamtumstände wurde das Landeskriminalamt, Ermittlungsbereich Menschenhandel, über den Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Es bestand der dringende Anfangsverdacht, dass die Arbeitskräfte im Zuge ihrer illegalen Beschäftigung gezielt ausgebeutet worden sein könnten.

Gegenüber den Beamtinnen und Beamten des LKA Tirol gaben die Betroffenen anfangs noch an, sich ausschließlich als Urlauber in dem Beherbergungsbetrieb aufzuhalten. Im Rahmen umfangreicher Vernehmungen brachen sie jedoch ihr Schweigen und gaben zu, bereits in Brasilien gezielt für die Arbeit in Tirol angeworben und vom Hotelbetreiber illegal beschäftigt worden zu sein.

Damit erhärtete sich neben dem Verdacht auf gewerbsmäßige Schwarzarbeit auch der schwerwiegende Verdacht, dass die Brasilianerinnen und Brasilianer Opfer von Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung geworden sind.

40.000 € Strafe für Betreiber

Von der Finanzpolizei folgen nun Anzeigen nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz, dem allgemeinen Sozialversicherungsgesetz und dem Arbeitszeitgesetz. In Summe erwarten den Arbeitgeber Strafen in Höhe von rund 40.000 Euro. Zudem wird wegen des Verdachtes auf Unterentlohnung ermittelt.

Außerdem wird ermittelt, wie die Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgte. Entsprechende Anzeigen und Kontrollmitteilungen an das Finanzamt und die Finanzstrafbehörde sowie an die ÖGK folgen.Gleichzeitig erfolgt durch das LKA-Tirol eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft Innsbruck aufgrund des Verdachtes des Menschenhandels und der Organisierten Schwarzarbeit nach dem Strafgesetzbuch sowie die Ausbeutung eines Fremden nach dem Fremdengesetz.

"Betrugsbekämpfung ist eine Frage der Gerechtigkeit", sagt Finanzminister Markus Marterbauer. „Diejenigen, die andere ausbeuten und nicht ihre Abgaben zahlen, dürfen nicht ungeschoren davonkommen. Denn es gilt, was immer gilt: Null Toleranz für Steuer- und Abgabenbetrug."

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