Laptop am Küchentisch, kein Stau, keine volle U-Bahn: Für viele ist das Arbeiten von zu Hause längst Normalität. Doch nicht jede Person profitiert gleich stark davon. Das zeigt eine neue, umfangreiche Studie aus Australien.
Die Auswertung basiert auf den Daten der nationalen Langzeitstudie Household, Income and Labour Dynamics in Australia (HILDA). Die Forscher analysierten, wie sich die psychische Gesundheit im Kontext der Pendelgewohnheiten und der Arbeit von zu Hause veränderte. Dafür verwendeten sie Daten aus 20 Jahren. Außerdem wurde untersucht, ob sich diese Effekte bei Menschen mit guter und schlechter psychischer Gesundheit unterscheiden. Die beiden Jahre der COVID-Pandemie (2020 und 2021) wurden nicht berücksichtigt, da die psychische Gesundheit der Menschen in dieser Zeit möglicherweise durch Faktoren beeinflusst wurde, die nichts mit der Arbeit von zu Hause zu tun hatten.
Bei Frauen hatte die Pendelzeit keinen nachweisbaren Einfluss auf die psychische Gesundheit. Bei Männern hingegen ging eine längere Pendelzeit mit einer Verschlechterung des psychischen Zustands einher, insbesondere bei jenen, deren psychische Gesundheit bereits angespannt war.
Doch selbst bei Männern mit durchschnittlicher psychischer Verfassung war der Zusammenhang spürbar: Schon eine um nur 30 Minuten längere tägliche Pendelzeit ging mit einem messbaren Rückgang des Wohlbefindens einher – in etwa so stark, als würde das Einkommen um rund zwei Prozent sinken.
Die Arbeit von zu Hause aus hatte einen stark positiven Effekt auf die psychische Gesundheit von Frauen– allerdings nur in einem hybriden Modell. Die größten Effekte wurden erzielt, wenn Frauen hauptsächlich von zu Hause aus arbeiteten, aber dennoch jede Woche einige Zeit (ein bis zwei Tage) im Büro oder vor Ort verbrachten.
Für Frauen mit psychischen Problemen führte diese Regelung zu einer besseren psychischen Gesundheit als die ausschließliche Arbeit vor Ort. Die positiven Auswirkungen waren vergleichbar mit denen einer 15-prozentigen Steigerung des Haushaltseinkommens.
Die Vorteile lassen sich also nicht nur damit erklären, dass man sich den Arbeitsweg spart. Da das Forschungsteam Pendelzeit und Homeoffice getrennt ausgewertet hat, deutet vieles darauf hin, dass andere Faktoren entscheidend sind – etwa weniger Stress, mehr Selbstbestimmung oder eine leichtere Vereinbarkeit von Job und Familie. Wer hingegen nur selten oder sehr eingeschränkt von zu Hause aus arbeitete, zeigte bei Frauen keine messbare Verbesserung der psychischen Gesundheit.
Bei Männern hatte die Arbeit von zu Hause aus keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die psychische Gesundheit, weder positiv noch negativ, unabhängig davon, wie viele Tage sie von zu Hause oder vor Ort arbeiteten.
Arbeitnehmer mit psychischen Problemen reagieren besonders empfindlich auf lange Arbeitswege und profitieren am ehesten von umfangreichen Homeoffice-Regelungen. Dies liegt unter anderem daran, dass Menschen mit psychischen Problemen ohnehin weniger gut mit Stresssituationen umgehen können.
Für Frauen mit psychischen Problemen kann die Arbeit im Homeoffice eine deutliche Steigerung des Wohlbefindens bedeuten. Auch für Männer mit psychischen Problemen kann die dadurch bedingte Reduzierung der Pendelzeiten hilfreich sein.
Arbeitnehmer mit einer guten psychischen Gesundheit scheinen jedoch weniger empfindlich auf Pendel- und Homeoffice-Muster zu reagieren. Sie schätzen zwar weiterhin Flexibilität, die Auswirkungen ihrer Arbeitsbedingungen auf ihre psychische Gesundheit sind aber geringer.
Aus den Ergebnissen ziehen die Forscher eine klare Schlussfolgerung: Arbeitgeber sollten sich von starren Einheitslösungen verabschieden. Stattdessen empfehlen die Studienautoren hybride Arbeitsmodelle, also eine Mischung aus Büro und Homeoffice. Diese seien insgesamt am sinnvollsten – nicht nur für die Produktivität, sondern auch für die psychische Gesundheit.