Social Media ist voll von perfekt inszenierten Körpern. Muskeln, Sixpack, glatte Haut – scheinbar mühelos. Wer danach an sich selbst herabblickt, sieht oft nur noch die eigenen "Makel": zu wenig Definition, zu viel Fett, Körperpartien, die sich trotz Sport nicht verändern. Das Problem: Manche körperlichen Merkmale sind genetisch bedingt. Für viele Männer wird das zum psychischen Dauerstress.
Besonders belastend ist für viele Betroffene die sogenannte Gynäkomastie: Dabei handelt es sich um eine Vergrößerung des Brustdrüsengewebes bei Männern, umgangssprachlich auch "Man Boobs" genannt. Die Brust nimmt dabei ein weibliches Erscheinungsbild an, die Schwellung kann schmerzhaft sein.
Die häufigste Form ist die Pubertäts-Gynäkomastie: Durch hormonelle Umstellungen zu Beginn der Pubertät kommt es bei vielen Burschen vorübergehend zu einem Brustwachstum, das einseitig oder beidseitig auftreten kann. In vielen Fällen bildet sich diese Veränderung von selbst wieder zurück.
Bleibt die Brust jedoch bestehen oder tritt sie erst im Erwachsenenalter auf, können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken: Dazu zählen Medikamente, die den Hormonhaushalt beeinflussen, hormonelle Erkrankungen, Tumorbildungen etwa an den Hoden, der Hirnanhangsdrüse oder der Brust sowie schwere Allgemeinerkrankungen wie Leberzirrhose.
Wie sehr eine Männerbrust belasten kann, erzählt Lewis Gonzalez im "New York Post"-Interview: "Es gab Sommer, da musste ich zwei Shirts übereinander tragen, nur um mich wohl genug zu fühlen, um nach draußen zu gehen, selbst bei 38 Grad Celsius." Um sich nicht weiter zu schämen, entschied sich Gonzalez schließlich für eine Brustverkleinerung. Rund 10.000 Dollar musste er dafür zusammensparen. Am Ende hat sich der Schritt für ihn gelohnt: "Es hat mein Leben verändert", sagt er.
Gonzalez ist längst kein Einzelfall: Schönheitschirurgen berichten seit Jahren von einem deutlichen Anstieg an Männern, die sich wegen einer Gynäkomastie operieren lassen. "Seit 2020 habe ich definitiv einen starken Anstieg bei Männern beobachtet, die sich beraten lassen und sich einer Gynäkomastie-Operation unterziehen", verrät die New Yorker Chirurgin Claudia Kim gegenüber der "New York Post".
Auch die "American Society of Plastic Surgeons" bestätigt den Trend. Demnach ist die Korrektur der Männerbrust mittlerweile die häufigste Schönheitsoperation bei US-amerikanischen Männern: 2019 ließen sich rund 21.000 Männer operieren, 2024 bereits über 26.000.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist Social Media: Unrealistische Körperideale verstärken den Druck auf viele Männer. Gleichzeitig sprechen immer mehr Betroffene offen über ihre Unsicherheiten und holen das Thema aus der Tabuzone. Die steigenden Zahlen zeigen, wie sehr sich das Verhältnis von Männern zu ihrem eigenen Körper verändert hat - und dass der Schönheitsdruck längst kein reines Frauenthema mehr ist.