Was heute noch köstlich ist, kann morgen schon zum Problem werden. Viele lagern ihre Essensreste im Kühlschrank und freuen sich schon aufs Aufwärmen oder aufs kalte Frühstück. Besonders bei Pizza ist die Vorfreude groß. Aber dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten, wenn man nicht mit einer Lebensmittelvergiftung im Spital landen will.
Egal, ob du die kalte Pizza gleich in der Früh oder erst zu Mittag isst – ein gewisses Risiko bleibt immer. Davor warnt jetzt Primrose Freestone, außerordentliche Professorin für Klinische Mikrobiologie an der University of Leicester (England).
Und das ist noch nicht alles, sagt Freestone: "Überraschenderweise können die getrockneten Kräuter und Gewürze, die Menschen oft auf ihre Pizza streuen, mit Mikroorganismen verunreinigt sein." Besonders häufig sind etwa Salmonellen, Clostridium perfringens und Bacillus cereus.
Bacillus cereus ist ein weit verbreitetes Bakterium, das überall dort vorkommen kann, wo Lebensmittel mit Erde oder Pflanzen in Berührung kommen. Besonders anfällig sind stärkehaltige Produkte wie Reis, Nudeln, Kartoffeln, aber auch Quinoa oder Ebly. Bei Zimmertemperatur kann sich das Bakterium rasch vermehren und unter anderem das sogenannte "Fried-Rice-Syndrom" auslösen. Wie gefährlich das sein kann, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2019: In Brüssel starb ein 20-Jähriger, nachdem er aufgewärmte Pasta gegessen hatte. Insgesamt zählt B. cereus zu den häufigsten Auslösern von Lebensmittelvergiftungen.
Je länger die Pizza und ihre Zutaten bei Zimmertemperatur liegen, desto größer wird das Risiko einer Lebensmittelvergiftung, erklärt Freestone. Temperaturen zwischen fünf und 60 Grad bilden die sogenannte "Danger Zone" (Gefahrenzone). In diesem Bereich vermehren sich Bakterien und andere schädliche Keime besonders rasant. Alles darunter oder darüber gilt als sicher – zumindest was Keime betrifft.
Freestone will niemandem die Lust auf kalte Pizza verderben. Sie rät aber dringend: Reste spätestens zwei Stunden nach Lieferung oder Zubereitung in den Kühlschrank geben. "Dann kannst du die Pizza bedenkenlos kalt zum Frühstück genießen."
Noch ein Tipp der Expertin, der auch für andere Speisereste gilt: Immer abgedeckt lagern, damit keine Keime aus der Luft dazukommen. Aber: Ewig hält auch die beste Pizza nicht – "Sie muss innerhalb von zwei Tagen verzehrt werden", so Freestone. Denn: "Die Aufbewahrung von Speiseresten im Kühlschrank verlangsamt das Bakterienwachstum lediglich."
Noch heikler wird es laut Freestone bei Geflügel. "Sein hoher Wasser- und Nährstoffgehalt sowie der niedrige Säuregehalt begünstigen das Wachstum von krank machenden Bakterien." Darum solltest du Hendl nur dann aufheben, wenn es wirklich durchgegart ist. Bei Geflügel kommt neben anderen Keimen auch Campylobacter vor, das besonders unangenehme Beschwerden verursachen kann. Infektionen mit Campylobacter sind die am häufigsten gemeldete lebensmittelbedingte Erkrankung in der Europäischen Union (jährlich mehr als 190.000 Fälle).