Forscher haben schon vor Jahrzehnten herausgefunden, dass Frauen auf einem Quadratzentimeter Haut mehr Schweißdrüsen besitzen als Männer. Das liegt daran, dass Frauen eine höhere Dichte an Drüsen haben. Weil Frauen aber insgesamt eine kleinere Körperoberfläche haben, ist die Gesamtanzahl der Drüsen nicht unbedingt größer als bei Männern. Wie 20 Minuten berichtet, entscheidet aber ohnehin nicht die Anzahl, sondern wie aktiv diese Drüsen sind.
Der Sportwissenschaftler Lindsay B. Baker hat in einer Übersicht im Fachblatt "Temperature" betont, dass die Schweißmenge vor allem davon abhängt, wie fleißig die einzelnen Drüsen arbeiten. Männer schwitzen also nicht automatisch mehr, nur weil sie Männer sind. Vielmehr spielen Körperbau, Körpergewicht und die produzierte Wärme eine wichtige Rolle.
Eine andere Erklärung für das stärkere Schwitzen bei Männern: Sie sind im Durchschnitt größer und schwerer, erzeugen bei Bewegung mehr Wärme und müssen diese auch wieder loswerden. Schwitzen ist da die wichtigste Kühlmethode. In einer Studie aus dem Jahr 2017 wurden 36 Männer und 24 Frauen beim Radfahren untersucht – unter kontrollierten Bedingungen.
Die Forscher fanden heraus: Nicht das Geschlecht war ausschlaggebend, sondern das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpergewicht. Je nach Messwert erklärte dieses Verhältnis 10 bis 48 Prozent der Unterschiede bei Schweiß- und Durchblutungsreaktionen der Haut. Nach Abzug von Faktoren wie Temperatur und Körperbau blieb vom Einfluss des Geschlechts nur noch etwa fünf Prozent übrig.
"Männer schwitzen mehr": So einfach ist es nicht. In einer weiteren Untersuchung mit neun Läuferinnen und neun Läufern zeigte sich: Es gab keine großen Unterschiede in der Gesamtschweißmenge. Allerdings schwitzen Männer an bestimmten Körperstellen – wie Brust, Seiten und mittlerem Rücken – stärker. Sobald Fitness, Belastung und Körperbau vergleichbar sind, werden die Unterschiede also viel kleiner. Ein kleiner, sportlicher Mann kann weniger schwitzen als eine große, trainierte Frau – oder umgekehrt.
Falls du regelmäßig Sport machst und plötzlich mehr schwitzt, ist das ein gutes Zeichen: Dein Körper startet die "Klimaanlage" schneller und effizienter. In einer Studie mit trainierten und untrainierten Männern und Frauen beim Radfahren in 30 Grad zeigte sich: Die Trainierten schwitzten an mehreren Körperstellen mehr. Auch hier lag es vor allem daran, dass einzelne Drüsen mehr Schweiß produzierten.