Während in Österreich die ersten Schneefälle in den Bergen bevorstehen, richtet sich der Blick der Meteorologen auf eine ganz andere Region der Welt. Tausende Kilometer entfernt, im Pazifik vor Südamerika, steigen die Wassertemperaturen deutlich über die üblichen Werte.
Dort könnte sich ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis entwickeln. Meteorologe Dominik Jung beschäftigt sich in einer Wetter-Kolumne mit den möglichen Folgen. Besonders das Jahr 2027 könnte demnach weltweit von hohen Temperaturen und extremen Wetterereignissen geprägt sein.
"Was sich da gerade vor der Küste Südamerikas abspielt, ist schon fast unheimlich", erklärt Wetter-Experte Jung gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Für Österreich stellt sich allerdings eine andere Frage: Was bedeutet das für den kommenden Winter und die Chancen auf weiße Weihnachten?
Die Entwicklung im östlichen Pazifik fällt laut Jung besonders deutlich aus. In einzelnen Meeresgebieten liegen die Wassertemperaturen bereits mehr als vier Grad über dem üblichen Niveau. In einer wichtigen Messregion beträgt die Abweichung mehr als zwei Grad.
Bei den riesigen Wassermassen des Pazifiks sind solche Temperaturunterschiede erheblich. Sie können die atmosphärischen Abläufe beeinflussen und damit Auswirkungen auf das Wetter in verschiedenen Teilen der Erde haben.
El Niño bezeichnet eine wiederkehrende Erwärmung des tropischen Pazifiks, die Veränderungen bei Wind- und Niederschlagsmustern auslösen kann.
Nach Jungs Darstellung könnte sich das Phänomen bis zum Jahresende weiter verstärken. Er verweist auf eine Prognose der US-Wetterbehörde, wonach die Wahrscheinlichkeit bei mehr als 80 Prozent liege, dass das Ereignis stärker ausfällt als alle bisherigen seit 1950.
Damit könnte sogar der besonders ausgeprägte El Niño von 1997/98 übertroffen werden. Ob diese außergewöhnliche Entwicklung tatsächlich eintritt, bleibt jedoch abzuwarten. Die Angaben beschreiben eine Prognose und noch keinen feststehenden Rekord.
Wer jetzt auf eine klare Winterprognose für Österreich hofft, wird allerdings enttäuscht. Der direkte Einfluss von El Niño auf das Wetter in Europa ist deutlich schwächer als in Regionen rund um den Pazifik.
Zwar gibt es Hinweise darauf, dass besonders starke El-Niño-Ereignisse im späteren Winter bestimmte Wetterlagen begünstigen können. Dabei könnte zeitweise auch kalte Luft aus Nordosten nach Mitteleuropa gelangen.
Ob es zu Weihnachten in Österreich schneit, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Weder ein besonders strenger Winter noch außergewöhnlich milde Feiertage können allein mit der Entwicklung im Pazifik seriös vorhergesagt werden.
Deutlichere Auswirkungen sind laut Jung bei den globalen Temperaturen möglich. El Niño kann die durchschnittliche Temperatur der Erde vorübergehend zusätzlich erhöhen. Dieser Effekt zeigt sich häufig erst einige Monate nach der stärksten Erwärmung des Pazifiks.
Deshalb könnte 2027 ein besonders warmes Jahr werden. Auch ein neuer globaler Temperaturrekord wird in der Wetter-Kolumne als Möglichkeit genannt. Hinzu kommen mögliche Veränderungen bei den Niederschlägen.
In Australien und Südostasien könnten Trockenperioden und Dürren begünstigt werden. Teile Südamerikas müssten dagegen womöglich mit besonders kräftigen Regenfällen rechnen. Auch extreme Hitze könnte in mehreren Weltregionen zum Problem werden.
Für Mitteleuropa lässt sich aus einem starken El Niño allerdings keine verlässliche Sommerprognose ableiten.
Jung hält es für möglich, dass sich 2027 auch in Deutschland durch besonders hohe Sommertemperaturen bemerkbar macht. Ob Österreich ebenfalls einen außergewöhnlich heißen Sommer erlebt, ist damit noch nicht entschieden.
Die weitere Entwicklung des Pazifiks dürfte in den kommenden Monaten jedenfalls genau beobachtet werden.
Für alle, die auf Schnee zu Weihnachten hoffen, bleibt vorerst eine wichtige Erkenntnis: Selbst ein außergewöhnlich starker El Niño verrät noch nicht, wie das Wetter am Heiligen Abend in Österreich ausfallen wird.