Es ist ein Knochenjob. Täglich fährt Thomas W. gegen die Uhr, um so viele Speisen wie möglich auszuliefern. Versprochen wurde dem 30-Jährigen bei Job-Beginn als Essensbote ein überdurchschnittlicher Stundenlohn. Die Realität sieht ganz anders aus.
Der Mann aus Wien-Simmering liefert seit rund einem Monat mit seinem Auto Essen für einen der großen Lieferdienste aus. Sein Frust ist schon jetzt riesig: "Die sollen uns wie Menschen behandeln, nicht wie Hunde", ärgert er sich gegenüber "Heute".
Besonders die Bezahlung macht ihm zu schaffen. Es wurde ihm ein Verdienst von 13 bis 20 Euro pro Stunde in Aussicht gestellt. Tatsächlich seien es oft nur 4 bis 7 Euro: "Mehr als eine Lieferung pro Stunde schafft man nicht."
Thomas W. (Name geändert) schildert im Gespräch mit "Heute" ein Beispiel: Bestellt ein Kunde bei einem Schnellrestaurant, muss er mitunter 20 Minuten dorthin fahren, auf das Essen warten und anschließend weitere 20 Minuten bis zum Kunden zurücklegen. "Dazu kommt auch die mühsame Parkplatzsuche", sagt er und rechnet vor: "Dafür bekomme ich maximal sieben Euro."
Auch die Schichteinteilung sorgt für Ärger. Zwar könne er seine Arbeitszeiten selbst auswählen, doch selbst kurz vor Schichtende würden noch zeitaufwendige Aufträge eintreffen. Wer storniert, riskiert laut Thomas weniger Aufträge zu bekommen.
Noch schlimmer: Wenn W. über die App eine Fahrt angeboten bekommt, die einen sehr langen Anfahrtsweg erfordert, ist ihm schon klar, da kann er nicht viel verdienen: "Aber wenn ich die Fahrt ablehne, habe ich Angst, dass mein Zugang zur App gesperrt wird – dann kann ich gar nicht mehr arbeiten."
Ab und zu muss auch er eine Bestellung übernehmen, die zuvor von einem Kollegen storniert wurde. Die Gefahr dabei: Das Essen kommt womöglich kalt beim Kunden an. Den Ärger bekommt der Lieferfahrer ab.
Auch über den Umgang in Restaurants beschwert sich der Wiener. In manchen Lokalen müssten Lieferfahrer das Essen über Hintereingänge abholen – oft werden unhygienische Zustände sichtbar. Als Beispiel nennt er eine Pizzeria in Wien-Leopoldstadt. Die Bestellungen nimmt er hier direkt beim dreckigen Geschirr entgegen.
Thomas arbeitet nach eigenen Angaben sieben Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche. Viele Kollegen seien ebenfalls unzufrieden, würden sich aber aus Angst um ihr Einkommen nicht wehren.
Auf "Heute"-Anfrage erklärt das betroffene Unternehmen, dass direkt beim Konzern nur Lieferfahrer mit Fahrrädern und E-Bikes unterwegs seien. Für Lieferungen mit Autos arbeite man hingegen mit externen Logistikunternehmen zusammen.
Aus der Zentrale: "Im Rahmen der Kooperationsvereinbarungen sind die Logistikpartner vertraglich dazu verpflichtet, sämtliche geltenden gesetzlichen Bestimmungen und marktüblichen Standards strikt einzuhalten. Dazu zählen insbesondere gesetzliche, kollektivvertragliche oder branchenübliche Vergütungsstandards."
Das Unternehmen betont, es nehme die Einhaltung dieser Standards sehr ernst und behalte sich vor, die Zusammenarbeit bei Verstößen zu beenden.