Die FPÖ ortet ein "Desaster" der Bundesregierung, die ÖVP schiebt den Schwarzen Peter direkt zurück: "Es ist bemerkenswert, wie schnell die FPÖ vergisst". Die flügellahmen "Hercules" des Bundesheeres sorgen für einen heftigen Politstreit der beiden Beinahe-Koalitionsparteien.
Der Hintergrund: Mehr als 17.700 Österreicher samt Angehörigen befinden sich in der Krisenregion am Persischen Golf. Das Außenministerium unternimmt bereits erhebliche Anstrengungen zur Rückführung, wird dabei auch vom Bundesheer unterstützt. Allerdings nur auf dem Boden, denn die eigenen "Hercules" sind allesamt (!) flugunfähig.
Hatte Österreich einst drei C-130 im aktiven Dienst, sind es seit Ende 2025 nur noch zwei. Nummer drei wurde ausgeschlachtet und dem Jagdkommando als Übungskulisse überlassen. Von den verbliebenen befindet sich eine derzeit zur "Langzeitwartung" in Portugal. Die Letzte muss seit vergangener Woche wegen Problemen beim Tank am Boden bleiben.
Die FPÖ, die schon öfter mal davon träumte, Migranten mit der "Hercules" in ihre Heimatländer zu verfrachten, lässt die C-130-Panne Rot sehen. "Der Totalausfall bei Hercules-Transportflugzeugen für Evakuierungen ist nächstes Desaster dieser Verlierer-Ampel", tobt Generalsekretär Christian Hafenecker. Er und Parteichef Herbert Kickl orten (schon wieder) einen "Skandal der Sonderklasse".
"Tausende Österreicher sitzen in der Krisenregion fest und die Regierung kann sie nicht evakuieren, weil aufgrund des jahrelangen ÖVP-Aushungerungskurses kein einziges Hercules-Transportflugzeug des Bundesheeres einsatzfähig ist", ärgert sich der blaue General in einer wortreichen Presseaussendung.
Anders sieht das übrigens das Bundesheer. Die Frage eines "Hercules"-Einsatzes stelle sich aufgrund der umfangreichen Flughafen-Sperren in der Region derzeit ohnehin nicht, sagt Heeres-Sprecher Michael Bauer.
Sobald diese wieder geöffnet sind, könne auch eine assistierte Ausreise mit Fliegern kommerzieller Airlines stattfinden. "Die Ausreise mit zivilen Flugzeugen ist das erste und beste Mittel der Wahl", betont der Bundesheer-Kommunikator.
Er stellt auch klar: Die rot-weiß-roten "Hercules" sind in die Jahre gekommen und hätten längst ersetzt werden müssen.
„Vorherige Regierungen haben diese Entscheidung leider nicht getroffen.“Michael BauerHeeres-Sprecher über Hercules-Nachfolger
"Diese Flugzeuge sind Baujahr 1967 (!). Die Entscheidung, neue Flugzeuge zu beschaffen, erfolgte durch Verteidigungsminister Klaudia Tanner", hält Bauer fest.
Tanner hatte das Beschaffungsprogramm bereits 2021 gestartet, und dann im Sommer 2024 den Kaufvertrag über einen Nachfolger unterschrieben. Ab 2028 erhält das Bundesheer vier Embraer-Flieger vom Typ "C-390 Millennium" als "Hercules"-Ersatz.
Das hätte laut dem Offizier eigentlich bereits "Jahre früher" passieren müssen: "Vorherige Regierungen haben diese Entscheidung leider nicht getroffen."
Bedeutungsschwangerer Nachsatz Bauers in einer Antwort auf X: "Ich würde mich über Verteidigungsminister der Vergangenheit niemals öffentlich äußern; selbst wenn diese das Bundesheer wissentlich an die Wand gefahren haben."
Genau in diese Kerbe schlägt auch der Konter der Volkspartei auf die Freiheitlichen: "Es ist bemerkenswert, wie schnell die FPÖ vergisst: Hätte der damalige Verteidigungsminister Mario Kunasek (2017 bis 2019, Anm.) zeitgerecht die Nachbeschaffung der mittlerweile über 60 Jahre alten Transportflieger veranlasst, hätten wir drei funktionstüchtige Maschinen", reagiert Wehrsprecher Friedrich Ofenauer.
Und weiter: "Die FPÖ mit ihrem Generalsekretär Hafenecker versucht wieder einmal in einer sicherheitspolitisch dramatischen Situation politisches Kleingeld zu wechseln. Wieder zeigt sich, dass die FPÖ ein Sicherheitsrisiko für Österreich ist."