Die Landstraße wird seltener gereinigt, Mistkübel werden nicht mehr so lange geleert – und im Linzer Rathaus wird seit Wochen darüber gestritten, wer das ändern soll. Als die Stadtreinigung am Donnerstag im Gemeinderat zur Sprache kam, war VP-Vizebürgermeister Martin Hajart plötzlich weg. Sein Platz blieb eine ganze Weile leer.
Dann kehrte er zurück: In den Händen hielt er zwei Straßenbesen. Einen drückte er SPÖ-Bürgermeister Dietmar Prammer in die Hand, den anderen hatte er für Grünen-Stadträtin Eva Schobesberger mitgebracht.
"Die Reinigung ist wichtig. Bevor man aber gut reinigen kann, muss man sich einigen. Wir hoffen, dass das funktioniert", sagte Hajart zu Prammer während der Übergabe. Der Stadtchef zeigte sich von der Aktion wenig beeindruckt.
Schobesberger ließ den kleinen Seitenhieb aber nicht auf sich sitzen. Hajart solle erst einmal "vor der eigenen Haustür kehren", konterte sie. Der Spruch sorgte im Gemeinderat für Gelächter und Applaus.
Auslöser für die skurrile Aktion ist ein neuer Putzplan für die Innenstadt: Die Landstraße wird nur noch alle drei statt alle zwei Wochen nass gereinigt. Auch bei den Mistkübeln wurde gekürzt – statt wie bisher täglich bis 22 Uhr werden sie an manchen Tagen nur bis 19 Uhr, montags und mittwochs sogar nur bis 15 Uhr entleert.
Schobesberger, in deren Zuständigkeit die Stadtreinigung fällt, erklärte im August, sie sei über die Änderungen vorab nicht informiert worden. Sie bezeichnete den neuen Plan als "völlig inakzeptabel" und ordnete an, ihn rückgängig zu machen. Aus dem Putzplan wurde damit auch ein Streit um Zuständigkeiten im Rathaus.
Für Hajart ist die Sache jedenfalls noch nicht erledigt: "Wer den Dreck immer nur liegen lässt, darf sich nicht wundern, wenn der Haufen immer größer wird." Die Linzer VP fordert deswegen: "Endlich Ärmel hoch, Besen in die Hand und Linz wieder sauber machen!"