Tierisches Mammutprojekt

Zoo seit 2020 dicht - Tiere werden in Etappen gerettet

30 Raubkatzen verlassen nach Jahren den bereits geschlossenen Zoo Luján in Argentinien. Ihre spektakuläre Reise führt sie über drei Kontinente.
Heute Tierisch
18.08.2026, 13:14
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Jahrelang lebten sie in kleinen Betongehegen, einige von ihnen kämpfen bis heute mit schweren gesundheitlichen Folgen. Jetzt beginnt für 30 Löwen und Tiger aus einem geschlossenen Zoo in Argentinien ein neues Kapitel. Ihre Rettung ist ein logistisches Mammutprojekt über drei Kontinente.

Es ist eine Reise, wie sie selbst für die erfahrenen Tierschützer von VIER PFOTEN alles andere als alltäglich ist: 30 Löwen und Tiger werden gleichzeitig aus Argentinien ausgeflogen, um künftig in Schutzzentren in Südafrika und den USA zu leben.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Südafrika und USA

Am 17. August startete die spektakuläre Rettungsaktion vom ehemaligen Zoo Luján nahe Buenos Aires. Insgesamt neun Tiger und sechs Löwen machen sich auf den Weg ins Großkatzen-Schutzzentrum LIONSROCK von VIER PFOTEN in Südafrika. Weitere acht Tiger und sieben Löwen werden von der Tierschutzorganisation "The Wild Animal Sanctuary" im US-Bundesstaat Colorado aufgenommen. Für die Tiere bedeutet die Reise vor allem eines: die Chance auf ein Leben unter Bedingungen, die ihren Bedürfnissen endlich gerecht werden.

Vier Tage lang wurde die Ausreise der 30 Großkatzen geplant und organisiert.
© FOUR PAWS | Hristo Vladev

Vier Tage Vorbereitung

Einfach Transportbox auf, Löwe rein und ab zum Flughafen? Bei 30 Großkatzen undenkbar. Allein die unmittelbaren Vorbereitungen auf die Reise dauerten vier Tage. Einige der Tiere waren zuvor speziell trainiert worden und gingen freiwillig in ihre Transportboxen. Andere mussten anästhesiert und anschließend unter tierärztlicher Aufsicht sicher in den Boxen untergebracht werden.

Von Buenos Aires aus geht es schließlich per Passagier- und Frachtflug über Tausende Kilometer zu den neuen Schutzzentren.

„Die Überführung von 30 Großkatzen aus Argentinien war weit mehr als nur eine einfache Umsiedlung. Es war eine enorme logistische Herausforderung.“
Tierarzt Dr. Amir KhalilVier Pfoten

Für ihn entschädigt der Anblick der Tiere beim Aufbruch für die gewaltige Arbeit: Nach Jahren unter unzureichenden Bedingungen bekämen die Löwen und Tiger nun die Chance auf spezialisierte Pflege und eine artgemäße Umgebung.

Jahrelang in kleinen Betongehegen

Hinter den Großkatzen liegt eine traurige Geschichte. Der private Zoo Luján war einst dafür bekannt, Besuchern direkten Kontakt mit Großkatzen zu ermöglichen. 2020 wurde die Anlage von den argentinischen Behörden aus Tierschutzgründen geschlossen. Die Tiere blieben jedoch vor Ort. Mehr als 60 Löwen und Tiger sowie zwei Bären lebten dort unter Bedingungen, die laut VIER PFOTEN weder ihren körperlichen noch ihren natürlichen Verhaltensbedürfnissen gerecht wurden.

Seit 2020 sitzen einige Zoobewohner noch im geschlossenen Gelände fest und werden spärlich gepflegt.
© FOUR PAWS | Hristo Vladev

Welche Spuren diese Jahre hinterlassen haben, zeigt der Gesundheitszustand einiger Tiere. Die Tierschützer berichten unter anderem von Zahnerkrankungen, Nierenproblemen, schlecht verheilten Verletzungen und Komplikationen infolge von Krallenamputationen. In ihren neuen Schutzzentren sollen die Tiere jedoch individuell behandelt und betreut werden.

Familien bleiben zusammen

Bei der gewaltigen Übersiedlung geht es aber nicht nur um Transportwege und medizinische Versorgung. Auch die sozialen Beziehungen der Tiere wurden berücksichtigt. Unter den 30 Großkatzen befinden sich Familiengruppen und Tiere, die bereits seit langer Zeit zusammenleben. Diese Gefährten sollen auch nach der Rettung zusammenbleiben und gemeinsam in ihren neuen Schutzzentren untergebracht werden.

Der jetzigen Aktion gingen monatelange Vorbereitungen voraus. Bereits im Herbst 2025 führte VIER PFOTEN nach eigenen Angaben die bislang größte veterinärmedizinische Untersuchung von Großkatzen in Lateinamerika durch. Innerhalb von weniger als einem Monat wurden insgesamt 64 Tiere untersucht, operiert oder behandelt.

Gleichzeitig wurden im ehemaligen Zoo Gehege repariert, Tiergruppen neu zusammengestellt und die Fütterung verbessert.

Drei Tiere bereits in Europa

Für einige ehemalige Bewohner von Luján hat das neue Leben schon früher begonnen. Im Februar 2026 wurden die beiden Bären Gordo und Florencia sowie die Tigerin Flora in Schutzzentren von VIER PFOTEN in Europa gebracht.

Mit den nun ausgeflogenen 30 Großkatzen ist die Rettungsaktion allerdings noch lange nicht beendet.

„Dies ist ein fantastischer Meilenstein für diese Löwen und Tiger sowie für den Tierschutz in Argentinien.“
Luciana D'AbramoLeiterin Programmarbeit, Vier Pfoten

Jetzt müsse man langfristige Lösungen für jene Großkatzen finden, die weiterhin auf dem Gelände des ehemaligen Zoos leben. Parallel arbeitet die Organisation mit der argentinischen Regierung daran, den gesetzlichen Schutz der Tiere zu verbessern. Ziel einer 2025 geschlossenen Vereinbarung ist es, die private Haltung und den kommerziellen Handel mit Großkatzen in Argentinien zu beenden.

Für 30 von ihnen hat die wohl wichtigste Reise ihres Lebens jedenfalls begonnen: weg von den Betongehegen – und Tausende Kilometer weit in Richtung eines besseren Lebens.

{title && {title} } red, {title && {title} } 18.08.2026, 13:14