Über Jahrzehnte prägte sie das österreichische Radio - jetzt blickt Nora Frey auf ihre Zeit beim ORF zurück und spart dabei nicht mit klaren Worten. Die 75-Jährige galt als echte Pionierin und stand hinter Formaten, die heute Kultstatus haben.
Besonders eine Sendung ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben – Ö3-Freizeichen! "Es ist so schade, dass es so eine Sendung nicht mehr gibt. Da haben Politiker ihre Karriere bei mir ausgehaucht. Manchmal ist auch ein Studiogast schreiend rausgelaufen, wie der Klaus Maria Brandauer. Und zwei Männer haben einmal zu boxen begonnen, weil sie unterschiedlicher Meinung waren. Da ist schon sehr viel passiert", erzählt sie gegenüber dem KURIER.
Frey scheute nie die Konfrontation, suchte bewusst den Konflikt - auch wenn das Spuren hinterließ. "Wenn man 250 Konflikte im Jahr inszenieren, dann geht das nicht spurlos an einem vorüber", stellt sie in der TV-Sendung der Tageszeitung "Herrlich ehrlich – Menschen hautnah" klar.
Kritisch sieht sie die Entwicklung im heutigen Radio. Ihrer Meinung nach dominieren mittlerweile Werbeeinschaltungen das Programm. "Es gäbe viele große Möglichkeiten, das anders zu machen. Aber da ist das Budget nicht da und eine Musiksendung ist halt billiger als eine Wortmeldung", sagt Frey dem KURIER.
Trotz allem glaubt sie in dem Gespräch mit der Tageszeitung weiterhin an die Zukunft des Mediums, "weil es Bilder im Kopf erzeugt. Und wenn man Bilder im Kopf malen kann, dann kann man sehr viel mehr bewegen, als wenn man den Menschen vorgefertigte Bilder vorhält."
Auch zur aktuellen Kritik rund um den ORF nimmt sie in der KURIER-Sendung Stellung und ordnet ein: "Es ist eine Community und eine Gruppe von Menschen und da passieren die Dinge, genauso wie sie in anderen Firmen passieren. Der ORF hat das Pech, dass er eine Alleinstellung hat und dass das hinauskommuniziert wird und aufgegriffen wird. Und es ist gut, dass das aufgegriffen wird!"
Die neue Chefin Ingrid Thurnher hätte jedenfalls jetzt "alle Hände voll zu tun". "Sie ist eine ganz ernsthafte Frau und wird wirklich versuchen, das in Ordnung zu bringen, und das ist auch wichtig. Es darf in keiner Firma und nirgendwo passieren und natürlich soll es nicht im ORF passieren", sagt die ehemalige Moderatorin im KURIER.
Auch persönliche Erfahrungen bleiben nicht unerwähnt. Sie selbst sei nämlich einst gegen einen Kollegen vorgegangen. "Ich habe ihm eine Ehrenerklärung abgerungen und er musste relativ viel an Frauenhäuser zahlen und wir haben uns verglichen", erzählt die Radio-Pionierin der Tageszeitung.
Schwere Rückschläge haben sie ebenfalls nicht gebrochen. Nach zwei schweren Unfällen kämpfte sie sich zurück ins Leben: "Ich bin jetzt über 50 Prozent invalid. Das Glas ist halb leer oder halb voll – und für mich ist es ganz voll", sagt sie im KURIER.
Heute gibt sie ihr Wissen weiter, arbeitet als Mediencoach und unterrichtet. Ihre Haltung ist dabei klar geblieben: "Aufgeben steht nicht auf der Agenda."