Nach Protesten vor einem Abschiebezentrum der US-Einwanderungsbehörde ICE in Texas hat ein Gericht harte Strafen gegen acht Beteiligte verhängt. Insgesamt summieren sich die Haftstrafen auf 450 Jahre, wie das US-Justizministerium am Dienstag mitteilte.
Die Anklage wertete die Aktionen nahe Dallas als "terroristischen Angriff" auf die Einrichtung. Den Verurteilten werden Verbindungen zur Antifa vorgeworfen.
Am härtesten traf es Benjamin S., den das Gericht als Anführer der Gruppe einstufte. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von 100 Jahren. Die Geschworenen sprachen ihn wegen versuchten Mordes an einem Vollzugsbeamten schuldig. Nach Überzeugung der Jury schoss er dem Mann in den Hals. Der Beamte überlebte den Angriff.
Die übrigen Angeklagten wurden zu Haftstrafen zwischen 30 und 70 Jahren verurteilt. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, am US-Nationalfeiertag am 4. Juli 2025 vor der ICE-Einrichtung Feuerwerkskörper gezündet zu haben.
Zudem befand das Gericht sie schuldig, "Terroristen materielle Hilfe geleistet" zu haben. Über das Strafmaß gegen acht weitere Angeklagte soll am 1. Juli entschieden werden.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall, weil es sich um die ersten Urteile handelt, seit Präsident Donald Trump die Antifa im vergangenen Jahr als "Terrororganisation" einstufen ließ. Trump macht die Antifa für die Tötung des Rechtsaußen-Aktivisten Charlie Kirk am 10. September verantwortlich. Experten weisen allerdings darauf hin, dass hinter dem Begriff "Antifa" eher eine politische Ideologie als eine klar organisierte Gruppierung steht.
Für die US-Regierung ist das Urteil ein deutliches Signal. "Die heute verhängten Strafen zeigen, dass Antifa-Terroristen, welche die Sicherheitskräfte und Bundesgebäude angreifen, mit einer schnellen und unerbittlichen Justiz rechnen müssen", erklärte der amtierende Justizminister Todd Blanche, der früher als persönlicher Anwalt Trumps tätig war.
Der Verteidiger von Benjamin S. sieht die Sache völlig anders. "Das hier ist nicht ein Haufen Terroristen", sagte Anwalt Philip Hayes laut dem Sender PBS nach dem Urteil. "Das ist eine Gruppe von Kindern und jungen Erwachsenen, die wirklich ein großes Herz haben und deren Stimme wirklich gehört werden sollte." Nach Darstellung der Verteidigung habe niemand die Absicht gehabt, Menschen zu verletzen.
Das Verfahren wird auch deshalb genau beobachtet, weil Kritiker Trump vorwerfen, das Justizministerium gezielt gegen politische Gegner einzusetzen. Nach Protesten gegen Abschieberazzien in Minneapolis wirft die Bundesjustiz mittlerweile auch 15 weiteren Personen Verbindungen zur Antifa vor.
Dort waren zu Beginn des Jahres am Rande von Demonstrationen zwei US-Bürger durch Vollzugsbeamte getötet worden. Die Ereignisse setzten Trump politisch unter Druck. Anfang März entließ er schließlich Heimatschutzministerin Kristi Noem.