Die Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) ist in Wien stärker mit außerfamiliärer Betreuung beschäftigt als in jedem anderen Bundesland. Das zeigen jetzt veröffentlichte Zahlen der Statistik Austria für das Jahr 2025.
Österreichweit erhielten 42.645 Minderjährige Unterstützung innerhalb ihrer Familie. Weitere 13.029 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen der sogenannten "Vollen Erziehung" außerhalb ihrer Herkunftsfamilie betreut. Allein in Wien waren rund 3,9 Prozent (11.482) aller Kinder und Jugendlichen im Jahr 2025 ein Fall für die MA 11 – in keinem Bundesland war die Zahl höher.
Demnach waren im vergangenen Jahr 4.150 Kinder und Jugendliche in Wien in der "Vollen Erziehung". Damit lebte fast jedes dritte abgenommene österreichische Kind in gänzlicher Fremdbetreuung in Wien. Auffällig: Die Zahl hat sich gegenüber 2024 überhaupt nicht verändert – auch damals waren es exakt 4.150 Minderjährige.
Rechnet man die Zahlen auf die Bevölkerung um, liegt Wien ebenfalls an der Spitze: Auf 1.000 unter 18-Jährige kamen 11,9 Kinder und Jugendliche in "Voller Erziehung". Der Österreich-Schnitt beträgt lediglich 8,3. Den niedrigsten Wert verzeichnet Oberösterreich mit 5,6.
Anders sieht es bei Hilfen aus, mit denen Familien unterstützt und eine Fremdunterbringung möglichst verhindert werden soll. 7.332 Wiener Kinder und Jugendliche erhielten 2025 eine solche "Unterstützung der Erziehung". Das entspricht 21 von 1.000 Minderjährigen. Österreichweit liegt die Quote mit 27,1 deutlich höher. In Kärnten sind es sogar 46,3 pro 1.000 Minderjährige.
Die Zahlen zeigen damit eine Wiener Besonderheit: Bei der Unterstützung innerhalb der Familie liegt Wien deutlich unter dem Österreich-Schnitt, bei der Betreuung außerhalb der Herkunftsfamilie hingegen an der Spitze.
Ein genauerer Blick auf die Daten zeigt auch, wo die Minderjährigen betreut werden. 2025 wurden in Wien 2.542 Kinder und Jugendliche im Rahmen der "Vollen Erziehung" in sozialpädagogischen Einrichtungen betreut. 1.695 wurden bei Pflegepersonen betreut (Anm.: Kinder können innerhalb eines Jahres in beiden Betreuungsformen aufscheinen).
Besonders häufig betrifft die Unterbringung außerhalb der Herkunftsfamilie ältere Kinder: Von den 4.150 betreuten Wiener Minderjährigen waren 1.831 zwischen 14 und 17 Jahre alt, weitere 1.759 zwischen sechs und 13 Jahren. 560 waren jünger als sechs Jahre.
Besonders deutlich stiegen in Wien die Kosten. Insgesamt gab Wien 2025 rund 288,7 Millionen Euro für Erziehungshilfen aus. 2024 waren es noch 250,2 Millionen Euro – innerhalb eines Jahres kamen damit rund 38,6 Millionen Euro dazu. Das entspricht einem Plus von etwa 15,4 Prozent. Damit entfielen 24,4 Prozent der gesamten österreichischen Nettoausgaben auf Wien.
Von den Wiener Gesamtausgaben entfielen rund 253,7 Millionen Euro auf die "Volle Erziehung", aber nur rund 35,1 Millionen Euro auf die Unterstützung der Erziehung innerhalb der Familie. Damit flossen knapp 88 Prozent der ausgewiesenen Wiener Ausgaben in den Bereich der "Vollen Erziehung".