Es ist ein warmer Tag Ende September. Kevin W. und sein Bruder steigen in einen gemieteten weißen Transporter. Auf der Seite prangt der Schriftzug "123-Transporter".
Der Autovermieter ist zu diesem Zeitpunkt bereits länger in den Schlagzeilen. Nutzer müssen monatelang um ihre Kaution bangen, manche bekommen ihr Geld überhaupt nicht zurück. Kunden berichten von diversen Methoden, mit denen sich das Unternehmen zusätzlich Geld "verdient" – so auch in diesem Fall.
Die Reise der Brüder beginnt in Klagenfurt, hier mieten die beiden Kärntner das Fahrzeug und steuern Graz an. Ihre Mission: Kevins Bruder (31) hat gerade ein Haus gekauft, jetzt wollten sie eine Küche dafür in Graz abholen.
"Am Rückweg merkten wir erst, das Handy meines Bruders war leer", sagt Kevin W (21) zu "Heute". Dann erst wurde ihr Unglück deutlich: "Sobald das Handy wieder funktionstüchtig war, trudelten die Nachrichten in Serie ein."
Es waren Informationen über Abbuchungen von 123-Transporter, "angeblich haben wir mehrmals die Höchstgeschwindigkeit überschritten", sagt Kevin W. Zahlreiche Leser berichteten bereits über solche Vorfälle: Obwohl es eigentlich nur Behörden erlaubt ist, "straft" das Unternehmen Kunden ab, die laut GPS-Daten angeblich zu schnell fahren.
Diesmal ist es noch skurriler und ärgerlicher: "Wir können nicht zu schnell gewesen sein, wir haben den Tempomat auf die erlaubte Geschwindigkeit eingestellt!" Dennoch: Insgesamt – in fünf Tranchen – wurden 395 Euro abgebucht.
Die Brüder waren außer sich: "Eine absolute Frechheit ist das. Wir waren so verärgert, dass wir sofort zur Tankstelle gefahren sind, um ein Bier zu holen."
Das Geld hat 123-Transporter sofort abgebucht, "das ist eine pure Katastrophe!" Die Brüder versuchten sofort den Vermieter per Telefon zu erreichen, "aber da haben wir niemanden erreicht – dafür haben sie uns für das Telefonat zwei weitere Euro verrechnet", klagt Kevin W.
"Heute" wollte eine Stellungnahme von 123-Transporter zu diesem Fall einholen. Telefonisch und per Mail bekamen wir auch mehr als 24 Stunden später keine Antwort.
Etwa zwei Wochen nach diesem Vorfall meldet das Unternehmen Insolvenz an. Die Rückforderungen der Betroffenen werden österreichweit auf fast fünf Millionen Euro geschätzt. Die 419 Transporter stehen nun still.