Unterrichten – und dafür auch noch selbst zahlen? Für viele Lehrer in Österreich gehört genau das offenbar zum Alltag. Im Schnitt geben Pädagogen rund 550 Euro pro Jahr aus dem eigenen Geldbörsel für Schule und Unterricht aus.
Das zeigt eine Studie des Österreichischen Schulbuchverlags und der Johannes Kepler Universität Linz mit mehr als 2.000 Befragten. Besonders deutlich: 99 Prozent der Lehrer gaben an, zumindest teilweise eigenes Geld für schulische Zwecke auszugeben.
Bezahlt werden damit etwa Arbeitshefte, Kopiervorlagen, Bastelmaterial oder Dinge fürs Klassenzimmer. Manche Lehrer dürften sogar für Schüler in die eigene Tasche greifen.
„Wer in der Klasse steht, soll nicht auch noch draufzahlen müssen, damit der Unterricht funktioniert.“Sigi MaurerGrünen-Klubvize und -Bildungssprecherin
Die Grünen greifen das Thema jetzt mit der Aktion "Zahlt eh die Lehrerin" auf. Lehrer sollen erzählen, wofür sie im Schulalltag privat zahlen und welche Materialien ihnen fehlen.
"Dass 99 Prozent der Lehrkräfte Material aus eigener Tasche finanzieren, ist keine Kleinigkeit, sondern eine stille Ungerechtigkeit, die wir seit Jahren einfach hinnehmen", sagt Sigi Maurer, Bildungssprecherin und stellvertretende Klubobfrau der Grünen: "Wer in der Klasse steht, soll nicht auch noch draufzahlen müssen, damit der Unterricht funktioniert."
Maurer kritisiert dabei Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) und wirft ihm vor, das Problem zu ignorieren.
Auch der Wiener Grünen-Bildungssprecher Felix Stadler, selbst Lehrer an einer Mittelschule, berichtet von privaten Ausgaben im Schulalltag. Dabei gehe es nicht nur um Kopien oder Bastelmaterial.
"Manchmal sogar für die Jause von Kindern, die sich keine leisten können", schildert Stadler. In fünf Jahren habe er keine Lehrerin und keinen Lehrer getroffen, die nicht selbst Geld für die Schule ausgegeben hätten.
Die Grünen wollen nun möglichst viele Fälle sammeln. Lehrer können ihre Erfahrungen über soziale Medien oder per E-Mail an die Partei schicken. Danach wollen Maurer und Stadler gemeinsam mit Betroffenen an möglichen Lösungen arbeiten.
Hochgerechnet auf Österreichs Lehrer kommt die Studie auf private Ausgaben von bis zu 70 Millionen Euro pro Jahr.