65 Tage voller Ungewissheit, Angst und verzweifelter Suche: Die Shar-Pei-Hündin Barbara war während eines Probewohnens ausgebüxt und irrte seither durch das Grazer Umland. Immer wieder wurde die Vierbeinerin gesichtet, doch sämtliche Versuche, sie einzufangen, scheiterten. Die Mitarbeiter des Grazer Tierheims Arche Noah ließen nichts unversucht, stellten Hundefallen auf und rückten bei jeder neuen Meldung aus. Doch Barbara blieb unnahbar. Schließlich verschwand sie sogar völlig von der Bildfläche.
Mehr als zwei Wochen lang fehlte jede Spur der Hündin. Kein Foto, keine Sichtung, kein Lebenszeichen. Nach so langer Zeit in freier Natur mussten sich ihre Retter zunehmend mit dem schlimmsten Gedanken auseinandersetzen: Lebt Barbara überhaupt noch?
Dann kam plötzlich Bewegung in die verzweifelte Suche. Eine aufmerksame Frau hatte einen streunenden Hund fotografiert und das Bild auf Facebook veröffentlicht. Für die Mitarbeiter der Arche Noah war sofort klar: Das ist Barbara!
Nun beginnt der wohl berührendste Teil dieser Geschichte. Denn ausgerechnet Tierpfleger Bernd, der selbst eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, sollte für Barbara zum entscheidenden Glücksfall werden.
Bernd war ursprünglich über den Verein NEUSTART zur Arche Noah gekommen, um dort vorgeschriebene Sozialstunden abzuleisten. Doch aus einer Verpflichtung wurde eine echte berufliche Perspektive. Seine Verlässlichkeit und sein liebevoller Umgang mit den Tieren überzeugten das Team derart, dass er seit Ende des Sommers fix zum Tierheim gehört.
Allerdings unterliegt Bernd derzeit noch einem behördlich festgelegten Bewegungsradius. Um zur letzten Sichtungsstelle fahren zu dürfen, benötigte er deshalb zunächst eine Sondergenehmigung. Diese wurde erteilt – und Bernd machte sich sofort auf den Weg. Er durchsuchte die Umgebung und stellte erneut eine Hundefalle auf. Und dann geschah endlich das, worauf alle 65 Tage lang gehofft hatten: Barbara ging in die Falle!
Völlig erschöpft und deutlich abgemagert, aber den Umständen entsprechend in erstaunlich guter Verfassung, konnte die Hündin zurück in die Arche Noah gebracht werden. Dort darf sie nun endlich wieder zur Ruhe kommen. Für Barbara stehen derzeit weder Vermittlung noch neue Abenteuer auf dem Programm. Stattdessen gibt es ausreichend Futter, ein warmes Bett und vertraute Menschen, die sich liebevoll um sie kümmern. Ihr Gesundheitszustand wird genau beobachtet.
Die Geschichte hat für das Grazer Tierheim auch Konsequenzen: Künftig sollen besonders ängstliche und fluchtgefährdete Hunde während eines Probewohnens zusätzlich mit GPS-Trackern ausgestattet werden. Die Geräte können im Ernstfall wertvolle Zeit bei der Suche sparen, ersetzen allerdings keine sorgfältige Sicherung.