Online-Shops machen dem heimischen Handel zunehmend Konkurrenz. Doch für viele Österreicher bleibt das Einkaufen im Geschäft wichtig – vor allem wegen der persönlichen Beratung.
Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Forschungsinstituts IFES unter 1.000 Befragten. Demnach spielt das Personal eine besonders große Rolle bei der Entscheidung, ob Kunden online bestellen oder ein Geschäft besuchen.
Für mehr als acht von zehn Befragten sind die Betreuung und fachliche Beratung durch Mitarbeiter ein entscheidender Grund, im stationären Handel einzukaufen. Auch die Möglichkeit, Produkte direkt auszuprobieren und sofort mitzunehmen, spricht für den Einkauf vor Ort.
Wie stark die Österreicher auf Online-Shopping setzen, hängt allerdings von der jeweiligen Branche ab. Besonders deutlich ist die Vorliebe für den stationären Handel bei Lebensmitteln: 93 Prozent kaufen hier überwiegend im Geschäft ein.
Auch bei Drogerie- und Kosmetikartikeln liegt der Einkauf vor Ort mit 72 Prozent vorne. Im Möbel- und Einrichtungshandel sind es 64 Prozent. Anders sieht es bei Mode, Sport- und Freizeitartikeln sowie Elektronik aus. In diesen Bereichen kaufen rund vier von zehn Befragten sowohl online als auch im Geschäft ein.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Für neun von zehn Österreichern ist die Sicherung heimischer Arbeitsplätze ein wichtiges Argument für den Einkauf im Geschäft. Dieser Wert zieht sich durch sämtliche Alters- und Einkommensgruppen.
Bei älteren Menschen kommen weitere Faktoren hinzu. Für sie gewinnen persönliche Ansprechpersonen auch wegen der zunehmenden Sorge vor Betrug an Bedeutung. Zudem wird der zwischenmenschliche Kontakt beim Einkaufen für ältere Generationen wichtiger.
Generell zeigen sich beim Einkaufsverhalten leichte Unterschiede je nach Alter und Einkommen.
Die Gewerkschaft GPA sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung ihrer Forderungen in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für den Handel.
Verhandlungsleiterin Linda Keizer warnt davor, bei den Beschäftigten zu sparen. "Wer die Antworten auf die Herausforderungen des Handels nur in möglichst geringen Personalkosten sucht, untergräbt langfristig das eigene Geschäftsmodell", erklärt Keizer.
Aus Sicht der Gewerkschaft sind gut ausgebildete Mitarbeiter ein wesentlicher Vorteil gegenüber internationalen Online-Anbietern. "Die Beschäftigten sind der entscheidende Wettbewerbsvorteil des stationären Handels gegenüber der Online-Konkurrenz. Wer Top-Personal will, muss auch entsprechende Rahmenbedingungen bieten", so Keizer weiter.
Die GPA kritisiert außerdem die Arbeitsbedingungen in Geschäften mit knapper Personalbesetzung. "Wo die Besetzung knapp ist, müssen Beschäftigte gleichzeitig beraten, kassieren und den Warenfluss sichern. Für Kunden bedeutet das fehlende Ansprechpersonen und längere Wartezeiten, für Beschäftigte permanenten Zeitdruck und wachsende Belastung", führt Keizer aus.
Die Gewerkschaft fordert deshalb Verbesserungen bei Gehältern und Arbeitszeiten. "Gute Beratung braucht Menschen, die im Handel eine Zukunft sehen. Deshalb fordern wir eine faire Gehaltserhöhung, planbare Arbeitszeiten und echte Anerkennung für die Mehrleistung, die viele Kollegen Woche für Woche erbringen", so Keizer abschließend.