Sie werben auf Instagram, vergeben Termine per Direktnachricht und behandeln ihre Kunden nicht in einer Ordination, sondern in angemieteten Wohnungen. In Wien sind in den vergangenen Monaten mehrere illegale Beauty-Angebote aufgeflogen. Angeboten wurden Botox, Hyaluron und sogar operative Eingriffe - durchgeführt fernab jeder Kontrolle.
Für Dr. Harald Beck ist die Sache eindeutig. "Wenn man mit einer Nadel durch die Haut sticht, darf das in Österreich nur ein Arzt machen", stellt der Facharzt für ästhetische Chirurgie gegenüber der "Kronen Zeitung" klar. Er führt seit 2017 ein Zentrum im 1. Bezirk. Injektionen seien hierzulande ausschließlich Ärzten vorbehalten.
Doch genau diese Vorgabe werde umgangen. Laut Beck reisen Anbieter aus dem Ausland an, mieten sich für wenige Tage in Wohnungen ein und behandeln dort mehrere Kunden hintereinander. "Die sind für einige Zeit da und dann sind sie wieder weg", heißt es im Bericht der Tageszeitung weiter. Das Problem: Es gibt keine Haftpflichtversicherung, keine nachvollziehbare Adresse und keine Nachbetreuung. Kommt es zu Komplikationen, stehen Betroffene alleine da. Rechtlich gegen jemanden vorzugehen, der nicht mehr auffindbar ist, wird praktisch unmöglich.
Dass es zu Problemen kommt, bestätigt der Facharzt deutlich. "Ja, definitiv", sagt Beck der "Krone". Neben misslungenen Ergebnissen wie Knoten, Entzündungen oder asymmetrischen Lippen habe es auch massive Schäden gegeben. Er berichtet von einer schwer geschädigten Nase nach einer Fillerbehandlung. Eine Frau musste nach einer Lippeninjektion ins Spital und verstarb später. Für Ärzte, die solche Fälle korrigieren, ist die Situation heikel - denn mit der Nachbehandlung übernehmen sie Verantwortung, heißt es weiter.
Besonders riskant sei Hyaluronsäure. Botox führe laut Beck praktisch zu keinen Infektionen. Hyaluron hingegen sei ein Gel und damit ein Fremdkörper im Gewebe. "Das hat eine ganz hohe Komplikationsrate und auch eine hohe Infektionsrate", wird der Mediziner zitiert. Absolute Sterilität sei daher Pflicht. Saubere Nadeln, korrekte Desinfektion sowie eine lückenlose Kühl- und Lieferkette seien entscheidend. Ob diese Standards bei reisenden Anbietern eingehalten werden, ist fraglich. Auch ob die verwendeten Präparate in Europa zugelassen sind, bleibe oft unklar.
Auffällig: Billig sind viele dieser Angebote nicht. Laut Beck verlangen manche zwei Drittel bis drei Viertel der üblichen Honorare, teils sogar gleich viel. Beworben werden die Eingriffe mit perfekt inszenierten Vorher-Nachher-Fotos. Der Eindruck: Wenn es so viele machen, kann es nicht falsch sein. Doch die Realität sieht anders aus. In Wien und Niederösterreich wurden zuletzt mehrere Fälle bekannt - darunter ein Facelift in einer Airbnb-Wohnung. Eine verhaftete Kosmetikerin soll zudem größere Eingriffe samt Betäubung in einem Keller angeboten haben.
Aktuell betreut Beck einen besonders drastischen Fall. Einer Patientin wurden um über 8.000 Euro Hyaluronsäure in Brust und Gesäß gespritzt - eine in dieser Form verbotene Behandlung. "Wir arbeiten jetzt dran, die Folgen wieder aufzulösen", sagt der Mediziner in der "Kronen Zeitung". Ob bleibende Schäden bleiben, ist noch offen.
Wer sich schützen will, sollte vor einer Behandlung ins Ärzteverzeichnis der Ärztekammer schauen. Jeder Arzt muss dort eingetragen sein, eine gemeldete Ordination führen und eine Haftpflichtversicherung haben. Auch ein Ordinationsschild ist verpflichtend.
Und Achtung bei anhaltenden oder stärker werdenden Schmerzen nach einem Eingriff: "Dann ist Gefahr im Verzug", warnt Beck in der "Krone". In so einem Fall sollte rasch ein erfahrener Arzt aufgesucht werden, etwa ein plastischer Chirurg oder Dermatologe mit Schwerpunkt ästhetische Medizin.