Warnung vor Pfusch

"Jetzt ist Nase weg"– Ansturm auf Beauty-OPs für Männer

Innerhalb von sechs Jahren hat sich die Zahl der Operationen bei Männern verdoppelt. Experten warnen vor Billig-OPs, sie sind eine große Gefahr.
Michael Pollak
03.02.2026, 04:56
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Die Folgen von scheinbar günstigen Pfusch-Operationen können massiv die Gesundheit der Patienten bedrohen. Thomas W. leidet seit Jahren, der Wiener legte sich im Ausland unters Messer. "Besonders am Anfang, direkt nach der Operation, war es fürchterlich", sagt der Vierzigjährige (er will anonym bleiben) im Gespräch mit "Heute".

Die Tortur begann vor einigen Jahren, es war mitten in der Pandemie, als sich W. zur folgenschweren Operation entschied. Seine Nase sollte korrigiert werden, "aus ästhetischen, aber auch gesundheitlichen Gründen", betont der Patient.

Die Entscheidung fiel damals leicht: Der Eingriff würde in Österreich 18.000 Euro kosten, in der Türkei 'nur' 6.000 Euro. Dazu noch Flug, Aufenthalt und die Folgekosten. "Jetzt weiß ich, es kommt aufs Gleiche", seufzt das OP-Opfer. Die katastrophalen Folgen: "Ich kann nicht atmen, reden und essen auch nicht."

Der Wiener muss eine Gaumen-Schiene tragen, sonst könnte er nur schwer atmen und weiter keine Nahrung zu sich nehmen.

Die Vorgeschichte: Nach der ersten Operation in der Türkei intensivierte sich eine Infektion, "es wurde unerträglich", an ein normales Leben war nicht zu denken. Der Knorpel der Nase des Angestellten löste sich komplett auf, sie fiel in sich zusammen.

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Nach OP: Nadel im Gesicht vergessen

Der Zustand verschlechterte sich, Thomas W. fand einen Mediziner – wieder in der Türkei –, der sein Gesicht reparieren sollte. "Die haben mir eine Rippe entnommen", beschreibt der immer noch leidende Patient. Damit sollte ein Gerüst für eine neue Nase aufgebaut werden. Kosten: weitere 10.000 Euro. Neuer Horror: "Eine Nadel wurde bei mir drinnen im Gesicht vergessen."

Der Wiener bekam eine noch schlimmere Infektion, es war überhaupt keine Nase mehr da, nur noch Haut, beschreibt Albert Fuchs, ein österreichischer plastischer Chirurg, der jetzt als "Retter" beigezogen wird.

Der Mediziner der Klinik Landstraße des Wiener Gesundheitsverbunds betreut jetzt Thomas W. Ein "Neubau" der Nase wurde minutiös geplant. Mehrere "Korrektur-Eingriffe" sind dafür nötig, beschreibt der Chirurg: "Für die Rekonstruktion werden mehrere Gewebestücke vom Unterarm entnommen."

Klinik Landstraße: Hier werden schon bald die Operationen stattfinden.
Karl Schöndorfer / picturedesk.com

Dann wird das Loch im Gaumen operativ geschlossen, bevor noch einmal ein Teil einer Rippe entnommen wird ("die wächst wieder nach"), um "ein Gerüst mit Metallplättchen für die Nase aufgebaut wird."

Nächste Etappe: "Von der Stirn wird ein Hautstück nach unten geschlagen, um die Nase zu basteln", beschreibt der renommierte Chirurg.

Fuchs und seine Kollegen schlagen Alarm: "Die Gesellschaft der österreichischen plastischen Chirurgen warnt eindringlich vor günstigen Lockangeboten für Operationen im Ausland." Immer wieder kommt es zu schweren Komplikationen nach solchem Operations-Tourismus.

Das Problem ist ein globales und es wächst rasant. Auf dem internationalen Kongress für ästhetische Chirurgie in Paris – fand diese Woche statt – wurden sehr deutliche Zahlen präsentiert. Zwischen 2018 und 2024 hat sich die Zahl der Männer fast verdoppelt (95 %), die sich operativ "verschönern" ließen.

"Er wird wieder atmen können"

Vor allem: Auch ganz am Ende wird es nie nach normaler Nase aussehen, "aber es geht um die Funktion, er wird wieder atmen, trinken und essen können."

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 03.02.2026, 10:09, 03.02.2026, 04:56
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