Mit Förderungen, Beratung und gezielten Maßnahmen gegen Leerstand will die Stadt Wien die Nahversorgung und das Wirtschaftsleben in den Grätzln stärken. Wie die Bilanz der Grätzlinitiative Wien zeigt, wurden in Ottakring, Brigittenau und Leopoldstadt innerhalb von drei Jahren insgesamt 132 Projekte gefördert.
Rund 940.000 Euro an Förderungen lösten Investitionen von mehr als 5,8 Millionen Euro aus. Im Rahmen der Grätzlinitiative 20+2 arbeiteten das Stadterneuerungsprogramm WieNeu+ und die Wirtschaftsagentur Wien zusammen, um leerstehende Geschäftslokale zu beleben, Gründer zu unterstützen und die Nahversorgung in den Bezirken zu sichern.
Nun soll das Angebot weiter ausgebaut werden: "Die Grätzl-Offensive der Stadt Wien ist ein hocheffizienter Hebel für unsere Stadtteile. Indem wir gezielt dort ansetzen, wo die Wienerinnen und Wiener leben und arbeiten, stärken wir das lokale Unternehmertum, sichern Arbeitsplätze und erhalten die wirtschaftliche Dynamik direkt im Grätzl", so Vizebürgermeisterin und Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ).
Auch Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) sieht die Belebung der Erdgeschoßzonen als wichtigen Baustein der Stadterneuerung: "Die WieNeu+-Stadterneuerungsgebiete stehen nicht nur für die nachhaltige Sanierung der Gebäude. Die Wiederbelebung der Grätzl ist ein integraler Bestandteil der sanften Stadterneuerung. Eine belebte Erdgeschoßzone fördert den Austausch und dadurch den sozialen Zusammenhalt."
Künftig sollen Unternehmen noch gezielter unterstützt werden. Die Wirtschaftsagentur Wien will Förderungen, Beratungsangebote und Unterstützung bei Modernisierung und Digitalisierung bündeln.
"Mit Instrumenten wie der Förderung 'Lebendiges Grätzl' gehen wir nun den nächsten Schritt hin zu einem breit gefächerten Angebot, das Unternehmen in allen Entwicklungsstufen begleitet. Das stärkt den Branchenmix sowie die Aufenthaltsqualität und sichert die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe", betont Dominic Weiss, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien.
Neben der neuen Förderung "Lebendiges Grätzl" können Betriebe auch die Förderung "Innovatives Handwerk und Gewerbe" nutzen. Dabei sind Zuschüsse von bis zu 75.000 Euro pro Vorhaben möglich.
Als Vorzeigeprojekt gilt die Boulderhalle (samt Café) "das flash" in der Adolf-Schmidl-Gasse in Wien-Brigittenau. Mit Unterstützung der Grätzlinitiative wurde dort eine leerstehende Fabrikhalle in einen Sport- und Nachbarschaftstreffpunkt verwandelt. Das Projekt wurde von der Wirtschaftsagentur mit 70.000 Euro gefördert, über 230.000 Euro wurden vom Unternehmen selbst in den Standort investiert.
"'Das flash' ist ein Beispiel für reaktivierte Leerstände, die zu echten Gewinnbringern für die Nachbarschaft werden. Oder auch bei Bücher Wittmann, die mit der Förderung ein Beisl im Erdgeschoß zu einem Buchgeschäft für das Grätzl transformieren konnten", so die Brigittenauer Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (SPÖ).
Für "flash"-Mitgründer Ivo Friedl war die Förderung entscheidend: "Wir wollten einen Ort schaffen, der Bewegung und soziales Miteinander verbindet. Die Förderung war in der kritischen Gründungsphase essenziell, um das finanzielle Risiko beim Umbau des Leerstands abzufedern. Heute bringt dieser neue Treffpunkt täglich positive Energie und Leben in das gesamte Grätzl."
Allein im Programmgebiet "Grätzl 20+2" in der Leopoldstadt und der Brigittenau wurden innerhalb von zwei Jahren 49 Projekte von 41 Unternehmen unterstützt. Rund 395.000 Euro an Förderungen lösten dort Investitionen von etwa 1,3 Millionen Euro aus. Die Förderungen waren dabei nahezu gleich auf die beiden Bezirke verteilt.