Mehr Personal, kleinere Gruppen und bessere Deutschförderung: Mit einem neuen Maßnahmenpaket will die Stadt Wien die Situation in den Kindergärten nachhaltig verbessern. Grundlage dafür ist eine große Befragung unter rund 2.500 Beschäftigten in städtischen und privaten Kindergärten.
Dabei wurden Personalmangel und zu große Gruppen als die größten Belastungen genannt – "Heute" berichtete zuletzt etwa über den massiven Abgang von Pädagoginnen im vergangenen Jahr. Die Stadt reagiert nun mit einer schrittweisen Verkleinerung der Gruppen.
"Wir schaffen kleinere Gruppen", kündigte Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) an. Künftig sollen statt bisher 25 Kindern je nach Gruppentyp zwei bis drei Kinder weniger betreut werden. Die Umsetzung erfolgt schrittweise über einen Zeitraum von zehn Jahren. Start ist 2028.
Wie viele zusätzliche Gruppen dafür geschaffen werden müssen, ist derzeit noch offen. Laut Emmerling sollen entsprechende Personalmaßnahmen sicherstellen, dass ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen.
Auch bei der Sprachförderung setzt die Stadt an. Laut Emmerling gab es zuletzt Gruppen, in denen von 25 Kindern bis zu 18 dieselbe Alltagssprache gesprochen haben – allerdings nicht Deutsch. Künftig soll der Anteil einer einzelnen Fremdsprache in einer Gruppe höchstens ein Fünftel betragen. Bereits bei der Anmeldung soll auf eine stärkere sprachliche Durchmischung geachtet werden.
Sollte dies an einem Standort nicht möglich sein, werde die zuständige MA 10 den Mangel feststellen und Lösungen erarbeiten. Für bestehende Gruppen hat die neue Regelung aber keine Folgen. "Kein Kind muss seine Gruppe verlassen", betonte Emmerling. Zusätzlich wird die Fortbildung der Pädagoginnen und Pädagogen im Bereich Sprache verpflichtend.
Neu ist auch eine Verpflichtung für Eltern: Das jährliche Entwicklungsgespräch mit den Pädagoginnen und Pädagogen wird künftig verpflichtend. Bei Bedarf kann der Kindergarten auch ein zweites Gespräch verlangen, wenn dies für die Entwicklung des Kindes notwendig erscheint. Der Wunsch nach einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Eltern war laut Stadt ebenfalls ein häufig genanntes Ergebnis der Befragung.
Fix verankert wird außerdem eine sogenannte Konzeptionswoche für das Personal. Wie SPÖ-Gemeinderätin Astrid Pany erklärte, soll diese jeweils am Ende des Sommers stattfinden. In dieser Zeit bereiten die Teams das kommende Kindergartenjahr vor. Die Einrichtungen bleiben währenddessen geschlossen.
Allerdings soll die Konzeptionsphase nicht überall gleichzeitig stattfinden. Sie wird auf die letzten beiden Ferienwochen aufgeteilt. Eltern, die in dieser Zeit Betreuung benötigen, sollen einen Platz an einem nahegelegenen Standort erhalten.
Die Opposition reagierte zurückhaltend auf die Pläne. Die Grünen bezeichneten die zugrunde liegende Umfrage als unnötig, weil die Probleme schon lange bekannt seien. Positiv sei jedoch, dass mit der geplanten sprachlichen Durchmischung eine langjährige Forderung der Partei aufgegriffen werde.
"Die Neos können mit dieser Ankündigung jedoch nicht von ihrem jahrelangen Managementversagen in der Sprachförderung ablenken. Fast die Hälfte der Kindergärten mit entsprechendem Bedarf bekommt in Wien keine Deutschförderung. Die rot-pinke Stadtregierung hatte 2020 das Ziel, die Anzahl der Sprachförderkräfte auf 500 zu erhöhen, sechs Jahre später sind es nur 306 Vollzeit-Sprachförderkräfte. Die Neos haben auch hier ihr Ziel krachend verfehlt“, kritisieren die Grünen Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler.
Auch die Wiener ÖVP übte Kritik. Kleinere Gruppen, die Auflösung von Sprachclustern und eine stärkere Einbindung der Eltern seien wichtige Maßnahmen, hätten aber bereits deutlich früher umgesetzt werden müssen, so Landesparteiobmann Markus Figl und Bildungssprecher sowie Klubobmann Harald Zierfuß.
Die Realität sei, dass jedes Jahr tausende Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen in die Schule kommen: "Wien braucht vor allem verpflichtende Sprachstandserhebungen für alle Dreijährigen, eine ganztägige Kindergartenpflicht für alle Kinder mit Deutschförderbedarf, deutlich mehr Deutschförderkräfte und endlich ernsthafte Kontrollen in den Kindergärten", erklären Figl und Zierfuß.