Was für die zahlreichen Besucher ein traditionelles Volksfest war, soll für Tausende Fische zur Qual geworden sein. Am Samstag, 24. Oktober, fand am Bruneiteich bei Heidenreichstein im Waldviertel das große Abfischfest statt. Doch nun erhebt der Verein gegen Tierfabriken (VGT) schwere Vorwürfe: Karpfen sollen beim Abfischen unnötigem Stress ausgesetzt, grob behandelt und teilweise viel zu lange außerhalb des Wassers gehalten worden sein.
Tierschützer des VGT waren vor Ort und dokumentierten nach eigenen Angaben zahlreiche Missstände. Besonders erschütternd seien Aufnahmen von Fischen, die verzweifelt zappelten, während rundherum gefeiert wurde.
"Diese Veranstaltung lässt einen fassungslos zurück. Es wurde ein richtiges Volksfest veranstaltet, während man den Fischen ansieht, wie sie um ihr Leben kämpfen und versuchen, ins tiefe Wasser zurückzukommen", kritisiert VGT-Campaigner Erich Schacherl. Besonders schockiert zeigt sich der Tierschützer über den Umgang mit den Tieren vor Kindern. So seien Karpfen gestreichelt und für Fotos längere Zeit aus dem Wasser gehalten worden. "Für die Tiere ist das die pure Qual", so Schacherl.
Schätzungen zufolge wurden bei der Veranstaltung Fische mit einem Gesamtgewicht von 10 bis 15 Tonnen aus dem Bruneiteich geholt.
Die Vorwürfe des VGT gehen noch weiter. Laut den Beobachtungen der Tierschützer sollen Fische beim Sortieren herumgeworfen worden sein. Ein Karpfen sei durch Unachtsamkeit sogar auf den Boden gefallen. Andere Tiere seien grob angefasst worden oder hätten auffällige Anzeichen von Sauerstoffmangel gezeigt.
Beim Abfischen werden die Teiche abgelassen, wodurch sich die Fische auf engem Raum sammeln. Dabei kann der Sauerstoffgehalt sinken. Zusätzlich drohen Verletzungen durch Netze, Gedränge und unsachgemäße Handhabung.
Besonders problematisch sei laut VGT die Zeit außerhalb des Wassers. Denn je länger Karpfen an der Luft bleiben, desto größer ist die Gefahr schwerer gesundheitlicher Schäden.
Der Tierschutzverein verweist auf die österreichischen Vorschriften. Laut der 1. Tierhaltungsverordnung muss die Zeit, die Fische beim Abfischen, Sortieren und Wiegen außerhalb des Wassers verbringen, auf ein Minimum beschränkt werden.
Nach Ansicht des VGT reichen die bestehenden Regeln allerdings nicht aus, um Tierleid wirksam zu verhindern. Der Verein kündigt deshalb eine Anzeige an. Ob tatsächlich Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorliegen, ist derzeit nicht geklärt. Eine Stellungnahme der Veranstalter zu den konkreten Vorwürfen liegt nicht vor.
Besonders brisant: Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft wurde erst 2025 von der Welternährungsorganisation FAO als landwirtschaftliches Weltkulturerbe ausgezeichnet. Beim traditionellen Abfischfest wird diese jahrhundertealte Form der Fischzucht mit kulinarischen Spezialitäten, Vorführungen und einem Familienprogramm gefeiert.
Für den VGT ist genau das ein Widerspruch. "Brauchtum sollte verbinden und nicht Tierleid feiern", betont Schacherl.