Ein Linzer soll sich für einen Hausmeisterjob in Tirol bewerben – 420 Kilometer Entfernung täglich. Nach der "Heute"-Story diskutieren die Leser heftig: Muss ein Arbeitsloser dafür quer durch Österreich?
Die Geschichte von "Heute"-Leser Andi* sorgt für ordentlich Gesprächsstoff. Das AMS hat dem Linzer unter anderem eine Stelle als Hausmeister in einem Tiroler Wellnessressort vorgeschlagen. Rund 210 Kilometer liegen zwischen seinem Wohnort und dem Arbeitsplatz – hin und retour wären das etwa 420 Kilometer. Ein Quartier vor Ort wird laut dem Stellenangebot bereitgestellt.
Die Kommentare unter dem Artikel gehen seit der Veröffentlichung weit auseinander. Ein Teil der Leser findet das Angebot durchaus machbar. "Kost und Logis frei – 2 Tage frei – da kann er heim, wo ist das Problem?", schreibt etwa eine Userin. Auch andere meinen: Wenn eine Unterkunft zur Verfügung steht, müsse man nicht jeden Tag die 420 Kilometer fahren.
Deutlich größer ist die Diskussion rund um den Lebensmittelpunkt. Mehrere Leser weisen darauf hin, dass ein Zimmer beim Arbeitgeber nicht automatisch eine Lösung für Menschen mit Familie, Partner oder eigener Wohnung ist.
"Nicht jeder ist so wie sie. Sie sind auch nicht das Maß der Dinge! Jeder Mensch ist anders", bringt ein User die Gegenposition auf den Punkt.
Andere rechnen vor, was ein tägliches Pendeln bedeuten würde: acht Stunden Arbeit plus mehrere Stunden Fahrt – kaum noch Zeit für Familie oder Freizeit. Auch die Frage nach der eigenen Wohnung beschäftigt die Community. Kündigt man sie für einen Job in Tirol und verliert die Stelle nach wenigen Monaten, stehe man womöglich ohne Wohnung da, argumentieren mehrere Leser.
Auffällig oft kommt in den Kommentaren ein anderer Vorschlag: Der Linzer solle sich einfach bewerben und den Arbeitgeber entscheiden lassen.
Mehrere User berichten von eigenen Erfahrungen mit AMS-Vermittlungen. Einer schildert etwa, dass er selbst als Sachbearbeiter für völlig andere Tätigkeiten vorgeschlagen worden sei – unter anderem als Schweißer oder Rezeptionist. Andere berichten von Stellen in weit entfernten Bundesländern.
Die Idee dahinter: Bewerben, Gespräch führen und die Entscheidung des Unternehmens abwarten. Einige Leser sind überzeugt, dass ein Arbeitgeber ohnehin keinen Mitarbeiter nehmen werde, der täglich hunderte Kilometer zurücklegen müsste.
Doch es gibt ebenso deutliche Gegenstimmen. Manche Leser sehen keinen Grund, warum ein Arbeitsloser einen Job in einem anderen Bundesland grundsätzlich ausschlagen sollte.
Ein User schreibt sogar, dass Arbeitnehmer für Jobs durchaus umziehen oder unter der Woche in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnen könnten. Andere verweisen auf eigene Erfahrungen mit Montagearbeit oder beruflichen Einsätzen weit weg vom Wohnort.
"Wenn nichts anderes frei ist, dann ist das so", lautet eine weitere Meinung. Wer Geld vom AMS bekomme, müsse bei der Jobsuche auch eine gewisse Flexibilität zeigen.
Die Diskussion zeigt damit vor allem eines: Die 420 Kilometer sorgen für Gesprächsbedarf. Während die einen sagen, ein Arbeitsloser müsse eben flexibel sein und könne ein Quartier nutzen, sehen andere eine Grenze erreicht, wenn dafür Familie, Wohnung und gesamtes soziales Umfeld auf dem Spiel stehen.
Einig sind sich die Leser also keineswegs. Die zentrale Frage bleibt: Wie weit muss man für einen vom AMS vermittelten Job tatsächlich gehen?