Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger hat am Wochenende erneut mit einer Forderung zum Thema Pension aufhorchen lassen. Konkret fordert sie die Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters auf 67 Jahre – und zwar in Zwei-Monats-Schritten pro Jahr ab dem Jahr 2030.
Seitdem laufen die Gegner dieses Vorschlags Sturm. Die FPÖ hatte der liberalen Politikerin sogar "Pensionsraub" vorgeworfen. Die Forderung nach einem Pensionsantritt erst mit 67 Jahren sei nichts anderes als ein "Frontalangriff auf die Lebensleistung der fleißigen Bürger, die jahrzehntelang in unser Sozialsystem eingezahlt haben und sich ihren Lebensabend redlich verdient haben".
Am Montag schaltete sich auch die Arbeiterkammer (AK) in die Diskussion ein: "Eine rein rechnerische Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters löst kein einziges Problem am Arbeitsmarkt, sondern provoziert lediglich soziale Härten. Es fehlt nicht am gesetzlichen Rahmen, es fehlt an Arbeitsbedingungen, die es den Menschen ermöglichen, gesund bis zur Pension zu arbeiten. Wer stur das Arbeiten bis 67 fordert, ignoriert die Realität in den Betrieben und die enorme körperliche Belastung vieler Berufe", sagte Ines Stilling, AK-Bereichsleiterin Soziales, in einer Aussendung.
Statt immer neuer "Scheindebatten" fordert die AK einen Blick auf die Fakten. Das tatsächliche Pensionsantrittsalter steige bereits rasant an: Seit dem Jahr 2000 bleiben Männer im Schnitt vier Jahre und Frauen sogar 4,1 Jahre länger im Erwerbsleben, rechnet Stilling vor.
Doch selbst jene Älteren bei guter Gesundheit hätten am Arbeitsmarkt oft schlechte Karten. Aktuell beschäftige jedes vierte Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern keine einzige Person (!) über 60 Jahre. Acht Prozent der Betriebe haben nicht einmal Arbeitskräfte zwischen 50 und 59 Jahren im Team. Ältere Menschen würden "systematisch aussortiert" oder gar nicht erst eingestellt, so der harte Vorwurf der AK.
"Wer unter diesen Umständen die gesetzliche Altersgrenze nach oben schraubt, schickt die Menschen direkt in die Altersarbeitslosigkeit oder die Invalidität", kritisiert Stilling. Auch in Sachen Budget mache die Forderung keinen Sinn: "Es bringt keine echten Einsparungen. Die Kosten werden lediglich von der rechten Tasche – der Pensionsversicherung – in die linke Tasche der Arbeitslosen- oder Krankenversicherung umgeschichtet."
Die AK verlangt deshalb die rasche Einführung eines Bonus-Malus-Systems, um Betriebe bei der Beschäftigung Älterer endlich in die Pflicht zu nehmen.