Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist erneut gestiegen. Ende Juli waren laut AMS insgesamt 364.200 Personen arbeitslos oder in Schulung. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat von 1,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent. Der Grund: die schwache Konjunkturentwicklung.
"Wir nehmen mit Sorge zur Kenntnis, dass auch die Zahl der älteren Arbeitslosen weiter steigt“, sagt ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth: "Das ist ein Warnsignal, das entschiedenes Handeln fordert."
Zwei von fünf Personen würden direkt aus der Arbeitslosigkeit oder dem Krankenstand in Pension gehen. "Menschen ab 50 haben es am Arbeitsmarkt besonders schwer und finden oft trotz Qualifikation keinen neuen Arbeitsplatz"", so Schuberth. Die Lösung dafür, dass die Pensionen besser aus Beschäftigung erreicht werden können, liege auf der Hand. „Wer will, dass Menschen bis zur Pension im Erwerbsleben bleiben, muss ihnen auch reale Beschäftigungschancen geben. Deswegen fordern wir ein Bonus-Malus-System, Betriebe müssen in die Verantwortung genommen werden."
Ein höheres Pensionsantrittsalter lehnt die ÖGB-Bundesgeschäftsführerin ab: "Solange viele Menschen schon mit Anfang oder Mitte 50 kaum mehr eine Chance auf einen Arbeitsplatz haben, ist jede Debatte über ein höheres Pensionsantrittsalter schlicht realitätsfern. Entscheidend ist, dass Menschen gesund bis zur Pension arbeiten können – dafür brauchen sie Beschäftigung."
Ins gleiche Horn stößt auch Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer (AK): "Die Rufe, dass die Menschen länger arbeiten sollen, sind angesichts dieser Entwicklungen zynisch." Viel relevanter als das gesetzliche Pensionsantrittsalter sei, wann die Menschen tatsächlich in Pension gehen. Die aktuellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit würden belegen, dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt.
Laut Anderl sei ein zentrales Problem, dass es nicht ausreichend gelinge, ältere Menschen in Beschäftigung zu halten. Diese Entwicklung werde durch die Anhebung des Frauenpensionsalters zusätzlich verschärft. Schon jetzt würden zu viele Frauen nicht aus Erwerbsarbeit, sondern aus Arbeitslosigkeit oder nach längeren Krankenständen in Pension gehen. "Zusätzlich sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt doppelt belastet: In jüngeren Jahren übernehmen sie oft die Kinderbetreuung, im höheren Alter tragen sie häufig die Verantwortung für die Pflege von Angehörigen. Diese Mehrfachbelastung verschlechtert ihre Position in der Arbeitswelt zusätzlich, insbesondere wenn sie älter werden", kritisiert die AK-Präsidentin.
Um die steigende Arbeitslosigkeit von Älteren und Frauen einzudämmen, sei ein Umdenken der Unternehmen beim Recruiting notwendig. "Ältere Menschen, hier insbesondere Frauen, müssen eine echte Chance bekommen", so Anderl.
Die AK fordert ein System der Kostenbeteiligung von Unternehmen bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen. Jene Betriebe, die ihrer Verantwortung bei der Beschäftigung Älterer nicht nachkommen und bestimmte Quoten nicht erfüllen, sollen über Ausgleichszahlungen an den sozialstaatlichen Kosten beteiligt werden.