Ausstellung in Linz

"Aufruf, Frauen Gewalt anzutun": Künstlerin rüttelt auf

Frauen als Zielscheibe – und das wortwörtlich: Eine Ausstellung in Linz zeigt, wie stark jahrhundertealte Gewaltbilder bis heute nachwirken.
Lea Strauch
26.11.2025, 05:00
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27 Frauen wurden im vergangenen Jahr in Österreich ermordet, weil sie Frauen sind – heuer waren es bisher zwölf. Wer die Ausstellung "Frauen*Zimmerschießen" an der Kunstuni Linz betritt, spürt diese Zahl. Zwischen lebensgroßen Frauenfiguren voller Einschusslöcher und historischen Schützenscheiben wird klar: Die Gewalt, die heute tötet, hat eine jahrhundertealte Vorgeschichte.

"Wir hassen diese Scheibe"

Mitten im Raum bewegt sich Künstlerin Elisa Andessner zwischen den historischen Scheiben und Figuren, die sie in den vergangenen zwei Jahren in einer "manischen Recherche" aufgespürt hat. Für ihr Projekt fragte sie bei Museen und Schützenvereinen in OÖ und Bayern an. Nicht alle Institutionen wollten Teil des Projekts sein, einer lehnte sogar strikt ab. Andere – namentlich in Gmunden und Molln (Bez. Kirchdorf) – öffneten ihr bereitwillig die Archive.

Eine der erschütterndsten Begegnungen erlebte Andessner in einem Museum, das ein besonders brutales Stück lagerte. "Bitte mach was damit, wir hassen diese Scheibe", habe man ihr dort gesagt. Die Restauratorin wollte sie gar nicht mehr anfassen.

Künstlerin Elisa Andessner mit der laut ihr "schrecklichsten Scheibe".
"Heute"/Lea Strauch

Frauen von Löchern durchsiebt

Das Motiv: "Die neun Häute eines Weibes" – Szenen, in denen ein Mann auf verschiedenste Arten mit einem Holzknüppel auf eine Frau einschlägt. Die grausame Geschichte dahinter: "Du musst der Frau neun Häute abziehen und sie schlagen, damit sie am Ende eine gute Ehefrau ist", erklärt Andessner. Für die Künstlerin ganz klar "die schrecklichste Scheibe". Denn: "Das ist ein richtiger Aufruf, Frauen Gewalt anzutun."

Die Ausstellung zeigt diese Gewalt nicht als morbide Kuriosität, sondern als gewachsene Struktur. Viele der Figuren sind von Löchern durchsiebt. Einige Scheiben zeigen Frauen, die mit Tieren verglichen, sexualisiert oder verspottet werden. Fazit: Der Schießsport produzierte über Jahrhunderte Bilder, die Gewalt normalisierten.

Kunstuni mobilisiert

Einen besonderen Akzent setzt die Videoperformance "Treff ich dich ins Herz". Darin schießt Andessner auf eine Scheibe, die sie selbst zeigt – gestaltet von einer Schützenscheibenmalerin aus Molln. "Es kann jeden treffen", sagt die Künstlerin sinnbildlich.

Feierlich eröffnet wurde die Ausstellung bewusst am Dienstag, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Mit ihr startet auch die Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen", in deren Rahmen die Kunstuni Linz mit Ausstellungen und Aktionen auf das Thema aufmerksam macht.

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