In der SPÖ rumort es gewaltig. Medienmanager Gerhard Zeiler (71) will Parteichef Andreas Babler (53) ablösen, am Sonntag beraten die Landeschefs über die Zukunft der Partei. Und mittendrin steht ein Mann, dessen Name in der roten Führungsdebatte zunehmend Gewicht bekommt: Finanzminister Markus Marterbauer. Könnte ausgerechnet er zum Babler-Nachfolger werden?
Im Gespräch mit PULS 24-Infochefin Corinna Milborn legt sich der 61-Jährige zu möglichen keine Ambitionen auf den Parteivorsitz fest. Stattdessen macht er deutlich, wo seine Prioritäten derzeit liegen.
"Ich habe für die nächsten Monate zwei zentrale Ziele: Das eine ist, wieder gesund zu werden", sagt der Finanzminister. Er ist an Krebs erkrankt und im Heilungsprozess "hoffentlich sehr weit".
Sein zweiter Schwerpunkt sei das Finanzministerium. "Ich bin mitten in einem Budgetsanierungsprozess. Wir sind im Plan und kommen gut voran. Aber es erfordert auch viel Aufmerksamkeit, zu schauen, dass das Budget nicht aus dem Ruder läuft."
Seine klare Ansage: "Ich bin für die nächsten Monate mit Gesundheit und meinen Aufgaben als Finanzminister wirklich ausgelastet."
Ganz heraushalten will sich Marterbauer aus der angespannten Lage seiner Partei aber nicht. Er bezeichnet sich selbst als "überzeugten Roten" und will dabei helfen, die SPÖ wieder zusammenzuführen.
"Ich bin ein überzeugter Roter und würde deshalb ganz viel tun, um die Partei zu einen und zu schauen, dass wir gemeinsam vorankommen", sagt er.
Eine neue Spitzenfunktion stellt er dabei allerdings nicht in den Mittelpunkt: "Da geht es aber weniger um meine Funktionen. Ich glaube, ich kann auch als Finanzminister meinen Beitrag dazu leisten, dass wir geeint und geordnet Erfolge erzielen."
Damit lässt Marterbauer zwar kein Interesse am Parteivorsitz erkennen, unterstreicht aber seinen Anspruch, im Machtkampf eine wichtige Rolle bei der Einigung der SPÖ zu spielen.
Dem amtierenden Parteichef Andreas Babler stellt Marterbauer unterdessen den Rücken frei. "Niemand von uns macht alles richtig, aber wir alle bemühen uns, alles richtig zu machen", sagt der Finanzminister.
Babler sei für die aktuelle Lage nicht verantwortlich. Gleichzeitig begrüßt Marterbauer das Treffen der SPÖ-Landeschefs am Sonntag. Die Partei müsse sich nun einigen und den Regierungskurs fortsetzen. Personaldiskussionen hält er für wenig hilfreich: "Wir brauchen das nicht."
Auch mit Gerhard Zeiler geht Marterbauer ins Gericht – wenn auch zurückhaltend. Grundsätzlich freue er sich über jeden, "der sich für die Partei engagiert", unabhängig vom Alter. Der Zeitpunkt von Zeilers Vorstoß sei allerdings "unerwartet" gewesen.
"Ich hätte mich gefreut, wenn Gerhard Zeiler mich angerufen hätte und gesagt hätte: 'Du, machen wir was zur Wirtschaftspolitik'", sagt Marterbauer. Zeilers Ansichten über die wirtschaftspolitische Linie der SPÖ sind jedenfalls nicht die seinen: "Dieser Kritik von Gerhard Zeiler kann ich nichts abgewinnen."
Die niedrigen Umfragewerte bezeichnet Marterbauer zwar als "besorgniserregend", verweist aber zugleich darauf, dass Regierungen angesichts der zahlreichen Krisen derzeit generell mit schwierigen Zustimmungswerten zu kämpfen hätten.
Neben dem SPÖ-Machtkampf beschäftigt Marterbauer vor allem seine Gesundheit. Seine Krebserkrankung hatte der Finanzminister bereits öffentlich gemacht. Im Oktober soll nun die letzte Chemotherapie folgen.
"Zunächst ist es ein Schock, so eine Diagnose zu bekommen", erzählt er. Besonders die Budgetverhandlungen vor dem Sommer seien schwierig gewesen. "Wenn man wochenlang und nächtelang das Budget verhandelt, hätte das meine Kräfte überfordert."
Mittlerweile laufe die Behandlung seines Lymphoms gut. "Der Fortschritt ist so, wie sich das die Ärzte erhofft haben." Ans Aufhören habe er dennoch nie gedacht.
Erste Ausschnitte des Interviews sind am Donnerstag um 19.50 Uhr in "Treffpunkt Österreich" auf ATV, PULS 24 und JOYN zu sehen. Das gesamte Gespräch gibt es am Freitag ab 9 Uhr auf JOYN.