"Heute"-Interview

Zeiler packt aus: Darum ist Babler der Falsche für SPÖ

Medienmanager Zeiler will SPÖ-Chef werden. Im Talk sagt er, was ihn motiviert, was er von Babler hält und wie die Partei zu alter Stärke finden kann.
Angela Sellner
01.10.2026, 15:48
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Der Countdown zum großen SPÖ-Showdown am Sonntag läuft. Dann soll sich bei einem Treffen zwischen Andreas Babler und den Landesparteichefs entscheiden, wie es an der Spitze der Bundes-SPÖ weitergeht.

Auslöser oder vielmehr Beschleuniger des Prozesses ist Medienmanager Gerhard Zeiler, der Ende vergangener Woche öffentlich erklärte, den SPÖ-Vorsitz übernehmen zu wollen. Er traue sich zu, die Partei aus dem Umfragetief herauszuführen.

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Termine in New York

Aktuell weilt Zeiler wieder für einige Tage in New York. Der 71-Jährige ist ja Präsident von Warner Media International. Der US-Medienriese steht vor der Übernahme durch Paramount, kommende Woche dürfte die geplante Fusion über die Bühne gehen.

Um mit den neuen Eigentümern seines Arbeitgebers seine Situation zu klären, ist Zeiler jetzt in New York. "Ich bin ein ordentlicher Mensch und möchte diese Sache ordentlich zu Ende bringen. Alles Weitere wird sich zeigen", sagt Zeiler aus dem Big Apple zu "Heute".

Zeiler versteht seine Offensive als "Angebot" – die Partei müsse entscheiden, ob sie ihn wolle. Im "Heute"-Interview via Telefon erklärt der Multimillionär ("aus eigener Kraft erarbeitet") aus Wien-Ottakring seine Beweggründe, Ziele – und was wird, wenn nichts wird aus seinen SPÖ-Plänen.

Das "Heute"-Interview mit Gerhard Zeiler

"Heute": Herr Zeiler, der Countdown zur möglichen Ablöse von Andreas Babler läuft. Sie haben diesen Prozess mit Ihrer "Bewerbung" um den SPÖ-Vorsitz jetzt konkret angestoßen...

Gerhard Zeiler: Mir ist es ein Anliegen zu sagen, dass das aus meiner Sicht kein Angriff auf Andreas Babler persönlich ist. Aber der Kurs, den er für die SPÖ eingeschlagen hat, ist ein falscher. Das zu ändern, ist meine Motivation. Denn Österreich ist immer gut gefahren mit einer starken Sozialdemokratie. Deshalb habe ich angeboten: Nehmt mich, wenn ihr wollt!

„Ich habe nichts gegen Babler persönlich. Aber er hat die SPÖ auf den falschen Kurs gebracht.“
Gerhard ZeilerMedienmanager, Anwärter auf SPÖ-Vorsitz

"Heute": Das war aber kein einsamer Entschluss, sondern Sie haben Unterstützer in der Partei?

Zeiler: Selbstverständlich. Ich hätte das nicht begonnen, wenn ich nicht viele Gespräche geführt hätte – mit Mitgliedern, Spitzenfunktionären, den Landesparteien. Ich habe da viel Zustimmung erfahren. Aber das ist natürlich keine Garantie. Die SPÖ muss jetzt entscheiden.

"Heute": Wo ist die SPÖ falsch abgebogen Ihrer Meinung nach?

Zeiler: Die SPÖ sollte dorthin zurückkehren, wo sie immer war und Erfolg hatte – links der Mitte. Eine Partei, die eine starke Wirtschaft mit einem starken Sozialstaat verbindet.

„Dass Österreichs Wirtschaft zu den Schlusslichtern gehört, ist hausgemacht.“
Gerhard ZeilerMedienmanager, Anwärter auf SPÖ-Vorsitz

"Heute": Sie wollen die SPÖ zu einer Wirtschaftspartei machen?

Zeiler: Dazu möchte ich Anton Benya (legendärer Gewerkschaftsboss und SPÖ-Politiker, † 2001, Anm.) zitieren: "Die Kuh, die Milch gibt, schlachtet man nicht – man muss sie füttern." Unter internationalen Konflikten leidet die Wirtschaft in der ganzen Welt, das ist klar. Aber dass Österreichs Wirtschaft zu den Schlusslichtern gehört, ist hausgemacht. Dagegen zu arbeiten, ist aus heutiger Perspektive das Wichtigste. Es muss der Wirtschaft besser gehen, und es braucht gerechte Verteilung.

„Aufstieg, Leistung, Sicherheit – diese drei Themen hat sich die SPÖ wegnehmen lassen.“
Gerhard ZeilerMedienmanager, Anwärter auf SPÖ-Vorsitz

"Heute": Sie selbst sind vielfacher Millionär – haben sich Ihr Vermögen selbst erarbeitet. Die klassische Aufstiegs-Geschichte, vom Arbeiterkind aus Ottakring zum internationalen Topmanager mit Super-Gage.

Zeiler: Ich bin quasi ein Symbol des Aufstiegs. Aufstieg, Leistung, Sicherheit – diese drei Themen hat sich die SPÖ wegnehmen lassen. Die ersten beiden von der ÖVP, das dritte von der FPÖ. Dass die SPÖ zu diesen Werten zurückkehrt, dafür stehe ich. Und nicht für klassenkämpferische Ansagen, die bringen nichts.

"Heute": Kennen Sie Andreas Babler persönlich?

Zeiler: Natürlich kenne ich ihn. Wir haben uns auch erst vor wenigen Tagen in Wien bei der Premiere des Kreisky-Films getroffen und die Hand gegeben. Wie gesagt: Ich habe nichts gegen Babler persönlich. Aber er hat die SPÖ auf den falschen Kurs gebracht. Es hätte mich gewundert, wenn er damit erfolgreich gewesen wäre.

"Heute": Sie spielen auf die schwachen Umfragewerte der SPÖ um die 15 Prozent an...

Zeiler: Von da aus kann es weiter runter auf 12, 13 Prozent gehen oder rauf auf 17, 18 Prozent. Aber nicht auf 30 bis 35 Prozent. Und mir ist wichtig, dass die Sozialdemokratie in Österreich eine relevante Partei bleibt.

"Heute": Für welches Ressort würden Sie sich im Fall des Falles in der Regierung interessieren? Finanzminister? Oder ginge auch etwas anderes?

Zeiler: Für solche Fragen ist es viel zu früh. Es macht keinen Sinn, jetzt darüber zu spekulieren. Ich habe auch noch nicht mit den Regierungspartnern gesprochen, das wäre anmaßend. Ich kann nur wiederholen: Die SPÖ muss entscheiden.

„Ein arbeitsloses Leben kann ich mir nicht vorstellen. Egal, was kommt.“
Gerhard ZeilerMedienmanager, Anwärter auf SPÖ-Vorsitz

"Heute": Wenn es nichts wird für Sie mit dem SPÖ-Vorsitz – Ihren Job als internationaler Topmanager haben Sie dann ja auch nicht mehr, was ist dann? Ruhestand, Vermögen genießen? Oder sind Sie dafür zu sehr Energiebündel?

Zeiler: Also wenn ich etwas habe, dann ist es Energie – fragen Sie meine Frau. Ein arbeitsloses Leben kann ich mir nicht vorstellen. Egal, was kommt.

sea,Akt. 01.10.2026, 16:46, 01.10.2026, 15:48