Schuhe aus, Socken runter – und plötzlich fühlt sich der ganz normale Spaziergang völlig anders an. Das Gras kitzelt zwischen den Zehen, der Waldboden federt bei jedem Schritt und selbst kleine Steinchen werden auf einmal zum Hindernisparcours. Wer barfuß unterwegs ist, nimmt seine Umgebung buchstäblich mit jedem Schritt wahr. Denn eine Studie zeigt: Dieses Gefühl könnte nicht nur angenehm sein, sondern tatsächlich etwas mit unserer Stimmung machen.
Für eine Untersuchung in Südkorea wurden 62 Erwachsene fünf Wochen lang regelmäßig zum Waldspaziergang geschickt. Während eine Hälfte ganz klassisch mit Sneakern unterwegs war, absolvierte die andere ihre Runden barfuß. Das Programm hatte es durchaus in sich: Insgesamt standen 20 Spaziergänge von jeweils 90 Minuten auf dem Plan. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler, ob und wie der Körper auf die ungewohnte Fortbewegung reagiert hatte.
Das interessante Ergebnis: Nach den Barfuß-Spaziergängen lagen die Serotoninwerte der Teilnehmer höher als zu Beginn. Der Botenstoff spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Stimmung und Wohlbefinden. Auch bei Entzündungswerten gab es Hinweise auf Veränderungen. Bei Teilnehmern, deren CRP-Werte zu Beginn erhöht waren, beobachteten die Forscher einen möglichen günstigen Effekt.
Ohne dicke Sohlen melden die Füße plötzlich alles: weich, kühl, warm, pieksig, uneben. Das Nervensystem bekommt jede Menge Informationen, die sonst unter der Schuhsohle verschwinden. Die Aufmerksamkeit wandert dahin, wo man gerade ist – fast wie ein kleiner Achtsamkeitsmoment ohne Meditationskissen.
Heißt das, dass zehn Minuten barfuß über die Wiese automatisch gute Laune machen? Nicht unbedingt, dafür war die Studie zu klein. Aber sie liefert einen interessanten Hinweis darauf, dass hinter dem vielbeschworenen Barfuß-Gefühl mehr stecken könnte als reine Einbildung.
Für den Einstieg braucht man weder einen Barfußpark noch ein 90-minütiges Waldprogramm. Ein paar Minuten auf Gras, Sand oder einem anderen sicheren Untergrund reichen, um auszuprobieren, wie es sich anfühlt. Die Füße müssen sich an die ungewohnte Belastung allerdings erst gewöhnen – also lieber langsam anfangen, als direkt den nächsten Waldweg erobern.