Die Diamanten funkelten, die Flügel waren riesig – doch der große Wow-Effekt blieb für manche Zuschauer aus. Am Sonntag, dem 18. Oktober, verwandelte Victoria’s Secret Los Angeles in einen Dessous-Himmel. Zum ersten Mal seit der Rückkehr im Jahr 2024 fand das Spektakel damit nicht in New York statt.
Unter dem Motto "Fandemonium" setzte Kreativdirektor Adam Selman auf eine Inszenierung, die unterschiedliche Jahreszeiten und Stimmungen miteinander verbinden sollte. Die Reaktionen zeigen jedoch, wie hoch die Erwartungen an die Marke auch nach der sechsjährigen Pause sind.
Bella Hadid eröffnete die Show, dazu kehrten bekannte Namen wie Adriana Lima, Gigi Hadid, Candice Swanepoel und Alessandra Ambrosio zurück. Doch nicht jeder Auftritt überzeugte das Publikum. Viele vermissten den luxuriösen Stil früherer Shows. "Alles sieht billig aus. Wo sind die Diamanten?!", schrieb jemand, eine andere Person meinte, dass die Laufsteg-Looks "so billig im Vergleich zu früher" wirken.
Auch das PINK-Segment bekam sein Fett weg. Besonders die Kombination aus Lingerie, mehreren Kleidungsschichten und auffälligen Accessoires sorgte für Diskussionen. Ein User spottete: "Warum tragen wir denn die 'Drei kaufen, drei gratis'-Aktion?"
Nicht nur die Kleidung, auch die berühmten Engelsflügel erhitzten die Gemüter. Vor allem die übergroßen pinkfarbenen Flügel der Country-Sängerin Megan Moroney wurden zum Gesprächsthema. Zuschauer bezeichneten sie als "geschmacklos" und bemängelten, dass das auffällige Bühnenaccessoire den Blick auf die Models dahinter teilweise verdeckt habe.
Zudem stellte sich für manche die Frage, warum auch die Musikerinnen mit Flügeln ausgestattet wurden. Schließlich gelten diese seit Jahrzehnten als eines der Markenzeichen der Victoria’s-Secret-Engel.
Der wohl größte Blickfang des Abends war dennoch Kylie Jenner. Der Reality-TV- und Instagram-Star stand erstmals für Victoria’s Secret auf dem Laufsteg – und präsentierte dabei den legendären Fantasy Bra.
Das Schmuckstück entstand in Zusammenarbeit mit dem Luxusjuwelier Jacob & Co. und soll rund 50 Millionen US-Dollar wert sein. Es besteht aus Edelmetallen und ist mit 4.410 natürlichen Diamanten besetzt. Darunter befindet sich ein gelber Diamant mit 75,54 Karat. 15 Kunsthandwerker sollen mehr als 1.000 Stunden an der Kreation gearbeitet haben.
Der Fantasy Bra feierte damit sein Comeback, nachdem er zuletzt 2018 auf dem Laufsteg zu sehen gewesen war.
Doch gerade Jenners Auftritt löste neben Begeisterung auch Kritik aus. Im Netz wurde diskutiert, ob bei Victoria’s Secret inzwischen die Prominenz wichtiger ist als die Model-Erfahrung. Ein Reddit-Nutzer wetterte: "Der Fantasy-BH war exklusiv für echte Engel, die ihn sich verdient hatten, nicht für irgendeinen Nepotismus-Star, dessen erste (und hoffentlich letzte) Show heute war."
Ein anderer User mutmaßte: "Sie hat sich bestimmt reingekauft". Belege für einen solchen Vorwurf gibt es nicht. Die Kommentare verdeutlichen jedoch, wie umstritten die Entscheidung war, ausgerechnet Jenner den prestigeträchtigen Auftritt zu geben.
„Sie hat sich bestimmt reingekauft.“
Die Debatte ist für die Marke heikel: Monatelang hatte Victoria’s Secret mit einem offenen Casting nach neuen Gesichtern für seine Engel gesucht. Dass ein internationaler Reality-TV-Star den wohl prominentesten Look des Abends erhielt, ließ manche Fans an der Bedeutung dieses Auswahlverfahrens zweifeln.
Hinter den Kulissen stellt sich Victoria’s Secret längst neu auf. Vorstandschefin Hillary Super, die zuvor für Rihannas Dessousmarke Savage X Fenty tätig war, treibt seit ihrem Amtsantritt 2024 den Umbau voran. Sie stärkt insbesondere die jüngere Linie PINK und baut das Beauty-Geschäft aus.
Das Unternehmen spricht von einem "breit angelegten Wachstum" in seinen Geschäftsbereichen. Vor allem eine jüngere Generation von Frauen findet offenbar wieder Gefallen an der Marke.
Dazu beitragen dürfte, dass Victoria’s Secret zunehmend auf bekannte Persönlichkeiten und Social-Media-Reichweite setzt, um neue Zielgruppen anzusprechen. Der klassische Supermodel-Glamour soll dabei mit einer neuen Generation von Stars kombiniert werden. Kylie Jenner passt perfekt in diese Strategie – auch wenn ihre Besetzung nicht bei allen gut ankommt.