Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Video an die ersten Tage der Kampfhandlungen erinnert. In den Aufnahmen zeigte der ukrainische Staatschef seinen Bunker. Dieser ist für viele Ukrainer ein Zeichen des Widerstands geworden.
Der Komplex befindet sich unter dem Marienpalast – der Präsidentenresidenz in Kiew. Das Labyrinth von Tunneln stammt noch aus der Zeit der Sowjetunion. Mittendrin auch ein kleines Büro. Von hier aus habe Selenskyj im Feber 2022 die Reaktion auf den russischen Überfall koordiniert.
"Dieses Büro, dieser kleine Raum im Bunker in der Bankowa-Straße, hier habe ich zu Beginn des Krieges meine ersten Gespräche mit Staats- und Regierungschefs geführt", sagte Selenskyj in dem Video. Auf einem schwarzen Ledersessel sitzend fährt er fort: "Hier habe ich mit Präsident (Joe) Biden gesprochen, und genau hier habe ich gehört: 'Wolodymyr, du bist in Gefahr. Du musst die Ukraine umgehend verlassen. Wir helfen dir dabei.' Ich habe geantwortet: Ich brauche keine Fluchtmöglichkeit, ich brauche Waffen."
Neben Selenskyjs Büro befinden sich in dem Bunker noch weitere Räume für die Präsidentschaft, die Regierung und das Parlament. In jedem Raum stehen etwa ein Dutzend Stühle, ein Fernsehbildschirm und ukrainische Flaggen, wie in den Aufnahmen zu sehen ist.
"Hier wurden viele Beschlüsse gefasst. Wir haben diese Einrichtung noch nie der Presse gezeigt. Jetzt herrscht hier natürlich nicht so viel Betrieb, aber zu Beginn des Krieges waren hier Hunderte Menschen. Ich habe hier unten gearbeitet und dann bin ich nach oben gegangen und habe mich an das ukrainische Volk gewandt", so der ukrainische Präsident.
Man habe in dem Bunkerkomplex jeden Tag Besprechungen mit der Regierung und der Armeeführung geführt. Alles, was für die Ukraine wichtig gewesen sei, habe man von der unterirdischen Einrichtung aus koordiniert.
Die 19-minütige Ansprache zielt darauf ab, die Ukrainer zu mobilisieren und an den Widerstandsgeist zu erinnern. Nach vier Jahren Krieg hält die russische Armee rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. Hunderttausende Soldaten und zehntausende Zivilisten wurden getötet. Trotz jüngster diplomatischer Bemühungen auf Druck der US-Regierung von Präsident Donald Trump ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht.