Schock rund um die Veröffentlichung der Epstein-Akten: Das US-Justizministerium soll Dokumente mit Anschuldigungen gegen US-Präsidenten Donald Trump zurückgehalten haben. Mehrere US-Medien berichten übereinstimmend über fehlende Unterlagen.
Nach Recherchen von NPR sowie der TV-Sender CNN und MSNBC wurden bei der Freigabe der Akten bestimmte Dokumente nicht veröffentlicht. Demnach soll es sich um Unterlagen handeln, in denen Trump unter anderem des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen beschuldigt wird. Auch weitere Dokumente zu den Vorwürfen gegen Jeffrey Epstein, in denen Trump erwähnt wird, seien nicht enthalten gewesen.
Laut NPR geht es um rund 50 Seiten mit Transkriptionen und Notizen. Diese sollen drei Befragungen einer Frau enthalten, die Trump beschuldigt, sie um das Jahr 1983 als Minderjährige missbraucht zu haben. Den Berichten zufolge war sie damals 13 Jahre alt. In den Dokumenten wird geschildert, Trump habe seinen Penis entblößt und ihren Kopf nach unten gedrückt. Als sie ihn gebissen habe, soll er sie getreten, geschlagen und aus dem Zimmer geworfen haben.
Der Radiosender kam zu diesem Ergebnis, nachdem die Seriennummern der veröffentlichten Dateien von Ende Jänner überprüft wurden. Dabei seien die betreffenden Dokumente nicht auffindbar gewesen.
Auch CNN berichtet von Unstimmigkeiten. Demnach seien 325 Akten zu einer Befragung durch das FBI verzeichnet gewesen, mehr als 90 davon jedoch nicht veröffentlicht worden. Weitere Frauen hätten dem Sender gegenüber erklärt, dass Protokolle ihrer Befragungen ebenfalls fehlten.
Die oppositionellen Demokraten im Kongress verlangen eine vollständige Veröffentlichung der Unterlagen. "Gestern habe ich die ungeschwärzten Beweismittelprotokolle des Justizministeriums geprüft", erklärte der Abgeordnete Robert Garcia. Er könne "bestätigen, dass das Justizministerium offenbar FBI-Vernehmungen mit dieser Überlebenden, die Präsident Trump schwerer Verbrechen beschuldigt, illegal zurückgehalten hat", so der Demokrat.
Das US-Justizministerium äußerte sich trotz Nachfragen nicht detailliert zu den Vorwürfen. Stattdessen kritisierte es die Medienberichte. Sprecherin Natalie Baldassarre erklärte gegenüber NPR, alle nicht veröffentlichten Dokumente seien entweder vertraulich, Duplikate oder Teil laufender Ermittlungen.
Auch das Weiße Haus reagierte: Trump habe "mehr für die Epstein-Opfer getan als jeder andere vor ihm".
Die Regierung steht seit Längerem wegen ihres Umgangs mit dem Fall Epstein in der Kritik. Im Wahlkampf hatte Trump eine vollständige Veröffentlichung der Ermittlungsakten versprochen. Nach seinem Amtsantritt zeigte er sich jedoch lange zurückhaltend.
Erst unter öffentlichem und parlamentarischem Druck unterzeichnete er ein Gesetz zur Freigabe der Unterlagen. Im Jänner wurde ein großer Teil veröffentlicht, weitere Dokumente blieben jedoch zurückgehalten.
Trump, der früher mit Epstein befreundet war, wird in den Akten erwähnt. Eine bloße Erwähnung gilt jedoch nicht als Beleg für strafbares Verhalten. Trump betont, er habe den Kontakt zu Epstein beendet, nachdem die Vorwürfe gegen diesen bekannt geworden waren.