Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn sorgt ein brisanter Bericht für Wirbel. Ein veröffentlichtes Telefonat zwischen dem ungarischen und dem russischen Außenminister stellt die Regierung von Viktor Orbán in ein heikles Licht.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, veröffentlichte das Investigativportal Vsquare.org einen Mitschnitt eines Gesprächs vom August 2024. Darin soll Ungarns Außenminister Péter Szijjártó mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow über EU-Sanktionen gesprochen haben.
Demnach habe Szijjártó zugesagt, sich gemeinsam mit der Slowakei dafür einzusetzen, eine Person von der Sanktionsliste zu streichen. "Wir werden unser Bestes tun, um sie von der Liste zu bekommen", sagt Szijjártó laut der englischsprachigen Aufnahme. Reuters konnte deren Echtheit nicht überprüfen.
Szijjártó reagierte scharf auf die Veröffentlichung. "Es ist ein riesiger Skandal (...), dass ausländische Geheimdienste meine Telefonate kontinuierlich abgehört haben und dass diese ausländischen Geheimdienste diese Telefonate nun eineinhalb Wochen vor den ungarischen Parlamentswahlen veröffentlicht haben", erklärte er auf Facebook. Von russischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme.
Das Portal berichtet zudem von einem weiteren Gespräch, für das jedoch kein Mitschnitt vorliegt. In diesem soll Szijjártó dem russischen Vize-Energieminister Pawel Sorokin zugesagt haben, sich für die Aufhebung von EU-Sanktionen gegen die sogenannte Schattenflotte russischer Öltanker einzusetzen.
Die Veröffentlichung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Am 12. April wird in Ungarn gewählt. Ministerpräsident Viktor Orbán steht dabei unter Druck, in Umfragen liegt die Oppositionspartei Tisza deutlich voran.
Orbán pflegt trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine enge Beziehungen zu Präsident Wladimir Putin. Ungarn ist weiterhin stark von russischem Öl und Gas abhängig.
Der aktuelle Vorfall verstärkt die Kritik, dass die Regierung in Budapest russische Interessen vertrete und EU-Hilfen für die Ukraine untergrabe. Bereits Anfang des Monats hatte die "Washington Post" berichtet, Szijjártó habe Lawrow jahrelang am Rande von EU-Treffen über interne Beratungen informiert.
Das slowakische Außenministerium erklärte zu den Berichten, man werde "die Details seiner Verhandlungspositionen oder derer anderer Mitgliedstaaten nicht kommentieren oder weitergeben".