Die Preise auf Strom sollen runter! Trotz massiven Zubaus grüner Erzeuger sind es ausgerechnet die fossilen Energieträger, die in Krisensituationen auf dem gesamten Strommarkt die Preise noch oben katapultieren. Schuld ist das zugrundeliegende Merit-Order-Prinzip, wonach sich der Strompreis nach dem teuersten Erzeuger zu richten hat.
Schießen die Preise für Gas oder Öl nach oben, reißt das auch den Strommarkt mit. Das führt zu der für Konsumenten ärgerlichen Situation, dass die fossilen Mondpreise auch für Sonnen,- Wind- und Wasserkraft anfallen, obwohl sich deren Erzeugungskosten gar nicht verändert haben. Und noch etwas: Laufen Gas- oder Öl-Kraftwerke an, schlagen auch deren CO2-Kosten aus dem EU-Emissionshandelssystem (ETS) automatisch im Strompreis durch.
Dieses Absurdum soll sich jetzt ändern! Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) wird beim Energieministerrat in Brüssel einen Vorschlag für mehr Transparenz im europäischen Strommarkt und eine Weiterentwicklung der bestehenden Regeln einbringen.
"Der Emissionshandel ist ein zentrales Instrument der europäischen Klimapolitik. Auch die Merit Order ist ein bewährtes Prinzip des Strommarktes. Beides steht nicht zur Diskussion", hält Zehetner fest. Das Problem liege im Zusammenspiel beider Systeme. Das könne dazu führen, dass die Elektrifizierung von Industrie, Wärme und Mobilität unnötig verteuert wird.
"Der CO2-Preis soll Emissionen reduzieren, nicht erneuerbaren Strom verteuern. Wenn wir die Energiewende beschleunigen wollen, müssen wir diese Wechselwirkungen im Strommarkt besser sichtbar machen und sachlich diskutieren", betont Zehetner.
Österreich möchte sich daher zunächst für mehr Transparenz im europäischen Strommarkt einsetzen. So soll klar nachvollziehbar sein, welche Technologien in welchen Stunden tatsächlich den Strompreis bestimmen und welcher Anteil des Preises auf CO2-Kosten zurückzuführen ist.
Eine solche Transparenz sieht Zehetner als wichtige Grundlage, um mögliche Maßnahmen gegen eine übermäßige Weitergabe von CO2-Kosten zu prüfen – ohne den europäischen Strommarkt oder den Emissionshandel komplett umzuwerfen.
Besonders relevant sei diese Frage für Länder wie Österreich mit einem hohen Anteil erneuerbarer Stromerzeugung. Dort können günstige Produktionskosten von Wasser-, Wind- oder Solarstrom im aktuellen System nur eingeschränkt bei Haushalten und Unternehmen ankommen.
Zehetner will mit ihrer Initiative eine konstruktive europäische Debatte über Weiterentwicklungen auf dem Energiesektor anstoßen. Ziel sei es, die Energiewende zu unterstützen und gleichzeitig faire und nachvollziehbare Strompreise im europäischen Binnenmarkt sicherzustellen.